Wirtschaft : Deutsche Post will in Holland Briefe austragen

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Düsseldorf (agr/HB). Die Deutsche Post attackiert in den Niederlanden den dortigen Marktführer TNT Post Groep (TPG). Für einen bislang ungenannten Kaufpreis übernimmt der Bonner Konzern die Mehrheit an der holländischen Wegener-Gruppe – und damit erstmals ein europäisches Briefunternehmen. Der Deal gilt als Startschuss für den Aufbau eines europäischen Briefgeschäfts.

Die niederländische Deutsche-Post-Pakettochter Van Gend & Loos wird sich in Holland mit Wegener zu einem Joint Venture vereinen, an dem die Deutschen 51 Prozent halten. Das Unternehmen soll künftig adressierte Briefe zustellen. Zudem übernimmt die Utrechter Deutsche-Post-Tochter 70 Prozent der Anteile an der Wegener-Postwurffirma Interlanden B.V., Apeldoorn.

„Wir sind bereits heute in allen europäischen Ländern mit starken Gesellschaften im Paketgeschäft vertreten und werden dort künftig auch unser Know-how im Bereich Brief Gewinn bringend einsetzen“, hatte Klaus Zumwinkel auf der Hauptversammlung im Juni bekräftigt. Wie sich nun in Holland zeigt, setzt er neben der Beteiligung an staatlichen Postkonzernen auch auf die Übernahme privater Briefunternehmen. Der Post-Chef jedenfalls hofft, bei der europäischen Briefmarkt-Liberalisierung am Ende zu den Gewinnern zu gehören.

In den Niederlanden greift sie bereits. Dort sind die Märkte für Standardbriefe über 100 Gramm und adressierte Werbesendungen seit kurzem für den Wettbewerb geöffnet. Das entspricht rund 50 Prozent des gesamten Briefmarktes. Den Markt für Postwurfsendungen werden TPG und Post künftig mit einem Marktanteil von je rund 35 Prozent beherrschen. Interlanden setzte vergangenes Jahr 60 Millionen Euro um, die Zustelltochter von Van Gend & Loos 52 Millionen Euro.

Mit der Expansion im Auslandsgeschäft versucht die Post, die schrumpfenden Erlöse im deutschen Briefgeschäft zu kompensieren. Sie wird allerdings im Ausland keine eigenen Netze aufbauen, sondern in lukrative Nischengeschäfte einsteigen. Viel versprechend ist etwa das Großkundengeschäft oder der Werbepost-Markt. Pläne wie diese hat Zumwinkel bereits für Großbritannien bestätigt.

Christian Obst, Post-Analyst der Hypo-Vereinsbank, geht davon aus, dass die nationalen Monopolstellungen schrittweise aufgegeben werden. Die Branche werde sich im Zuge der Liberalisierung konzentrieren und am Ende „drei, vier große Player“ hervorbringen.

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