Wirtschaft : Deutsche Reeder leiden unter Piraten Nur 40 Prozent halten EU-Mission für erfolgreich

Hamburg - Deutsche Reeder beklagen eine zunehmende Zahl von Piratenangriffen und steigende Kosten durch dieses Problem. In den vergangenen zwölf Monaten hätten 42 Prozent der Unternehmen unter Überfällen zu leiden gehabt, ergab eine am Freitag in Hamburg vorgestellte Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Bei einer Befragung ein Jahr zuvor waren es nur 20 Prozent gewesen. 70 Prozent der teilnehmenden 101 Reeder gaben an, dass sich die wirtschaftliche Belastung durch Piratengefahr und Gegenmaßnahmen im letzten Jahr erhöhte.

Die Sicherheitslage auf wichtigen Schifffahrtsrouten habe sich auch nach Beginn der Marineoperationen von EU und NATO gegen Piraten vor Somalia offenbar kaum verbessert, erklärte Claus Brandt, Leiter des maritimen Kompetenzcenters bei PwC. Die EU-Operation Atalanta, an der sich auch deutsche Kriegsschiffe beteiligen, halten der Umfrage zufolge nur 40 Prozent der befragten Reeder für erfolgreich. Für die Sicherheit ihrer Schiffe müssten in erster Linie die Firmen selbst sorgen, erklärte Brandt. Dies lasse die Transportkosten steigen.

Mittlerweile lassen laut der aktuellen Umfrage rund 40 Prozent der deutschen Reeder ihre Schiffe Umwege fahren, um das Seeräuberrisiko zu verringern. Vor einem Jahr waren es 21 Prozent. 62 Prozent berichteten von weiter steigenden Versicherungsprämien, etwa 50 Prozent investierten in spezielle Schulungen für Mannschaften sowie technische Abwehrmaßnahmen wie Stacheldrahtzäune. Immerhin rund jeder fünfte Reeder zahlte im vergangenen Jahr zudem Geld für Sicherheitsleute an Bord. Bei der Befragung 2009 waren es etwa zwölf Prozent.

Deutsche Reedereien gehören zu den wichtigsten Schifffahrtsunternehmen weltweit. Rund ein Drittel der globalen Containerschiff-Kapazitäten werden von ihnen kontrolliert. AFP

0 Kommentare

Neuester Kommentar