Wirtschaft : Deutsche Schiffbauer in Not

Die HSH Nordbank ist in den Strudel der Krise geraten – das hat womöglich Folgen für die Werften

D. Hanisch

Kiel – Die internationale Finanzkrise hat jetzt auch die HSH Nordbank erreicht – und damit womöglich auch die Schiffswerften. Das Kreditinstitut geht nicht mehr davon aus, sein geplantes Ergebnis in diesem Jahr noch zu erreichen. Grund ist die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers: Laut ARD ist die HSH, die der weltweit größte Finanzierer von Schiffsneubauten ist, mit mehr als 100 Millionen Euro an Ausfallrisiken von Lehman beteiligt. HSH-Sprecher Bernhard Blohm wollte die Zahl nicht bestätigen.

Das könnte auch Folgen für die insolvenzgefährdete Kieler Traditionswerft Lindenau haben, die bei der HSH einen Kredit beantragt hat. Fieberhaft sucht Geschäftsführer Dirk Lindenau nach einem Geldgeber für die Zwischenfinanzierung eines Tankerneubaus. Bis Ende 2009 ist der Schiffsbauer mit Aufträgen ausgelastet, wurde erst vor wenigen Wochen mitgeteilt. Die Werft hat sich auf den Bau von Doppelhüllentanker spezialisiert, befand sich aber bereits im Vorjahr in finanziellen Schwierigkeiten, so dass die 380 Beschäftigten und die 150 Leiharbeiter im August beschlossen, auf Gehälter und Weihnachtsgeld in Höhe von 3,8 Millionen Euro zu verzichten. Die IG Metall spricht von einer „sehr ernsten Lage“. Kiels IG-Metall-Bevöllmächtigter Wolfgang Mädel sagte, es gäbe nur akute Schwierigkeiten, Geld zu akquirieren, „weil die Banken jetzt die Hosen voll haben – wegen der Probleme, die sie woanders geschaffen haben.“

Mit Bangen blicken die Werftarbeiter nun auf Montag, wenn auf einer Betriebsversammlung möglicherweise die Einleitung eines Insolvenzverfahrens bekannt gegeben wird. Dem Vernehmen nach setzt Werftchef Lindenau nun alle Hoffnungen auf einen Investor aus Übersee. Lindenau sei ein Sonderfall, bekräftigte HSH-Sprecher Blohm.

Der HSH-Sprecher verneinte zugleich einen Zusammenhang zwischen den Landesbankverlusten mit der aktuell drohenden Insolvenz der Lindenau-Werft. Der Traditionsschiffbauer sei kein HSH-Kunde, betonte Blohm. Er räumte aber ein, dass es vor wenigen Tagen eine Kreditanfrage gegeben habe.

Der Vorstandschef der HSH Nordbank, Hans Berger, hatte nach der Lehman-Pleite eine erst Anfang September getroffene Gewinnprognose von 400 Millionen Euro für das Gesamtjahr wieder einkassiert, inklusive Dividende. Diese Dividende hatte Schleswig-Holsteins CDU-Finanzminister Rainer Wiegard aber schon für den laufenden Haushalt einkalkuliert, 40 Millionen erwartete er aus der 29,1-prozentigen Beteiligung des Landes. Das Loch für den gerade verhandelten Haushalt 2009 würde bei 68 Millionen liegen. Am Donnerstag soll Berger nun im Finanzausschuss Rede und Antwort stehen. Die oppositionelle FDP hat bereits seinen Rücktritt gefordert. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte, es sei ihm ein Rätsel, warum Berger überhaupt einen Gewinn von 400 Millionen Euro in Aussicht stellen konnte.

HSH-Sprecher Blohm warb um Verständnis für das eigene Zurückrudern. Das Schwankungsbarometer für Anlageprofile liege derzeit wie am 11. September 2001 bei 40 Prozent und damit so hoch wie nie. Folglich seien fortan keine verlässlichen Vorhersagen mehr zu treffen. Man halte aber daran fest, bis 2010 wie Anfang des Monats angekündigt, 750 von weltweit 4300 Stellen einzusparen. Die jüngsten Entwicklungen würden nichts an den Plänen ändern.D. Hanisch

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