Deutsche Schlachtbetriebe : Export nach China: Das Jahr des Schweins

Deutsche Schlachtbetriebe dürfen jetzt erstmals nach China liefern – vor allem Ohren und Schwänzchen.

Severine Weber
Deutsche Schweine sind auch im Ausland beliebt. Die meisten Exporte gehen nach Russland. Daran dürfte auch die Marktöffnung Chinas nichts ändern. Foto: dpa/pa
Deutsche Schweine sind auch im Ausland beliebt. Die meisten Exporte gehen nach Russland. Daran dürfte auch die Marktöffnung Chinas...Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Chinesen lieben Schweinefleisch. Vor allem Pfoten, Ohren, Masken (Gesichter) und die Ringelschwänze. Was in der Volksrepublik als knusprige Delikatesse gilt, ist bei Fleischessern in Deutschland weniger gefragt. Statt auf dem Teller landen die Teilstücke hierzulande vor allem in Kosmetika und pharmazeutischen Produkten. Die Industrie zahlt dafür wenig: Ein Kilogramm Pfoten kostet in Deutschland zwölf bis 15 Cent, in China zahlt man dagegen umgerechnet 50 bis 60 Cent. Für ein Kilo Ohren geben die Chinesen rund zwei Euro aus, für Masken sogar vier – ein lukratives Geschäft für deutsche Schlachtbetriebe.

Doch die Firmen mussten lange warten, um mit den Chinesen ins Geschäft zu kommen. Vier Jahre hat das Bundesagrarministerium mit der Volksrepublik verhandelt. Letztlich mit Erfolg: Seit Juli dürfen vier deutsche Schlachtbetriebe nach China liefern. Eine der begehrten Zulassungen bekam das Unternehmen Westfleisch für sein Fleischcenter in Coesfeld. Doch das war nicht ganz einfach. „Die Schlachtbetriebe müssen Hygienevorschriften erfüllen oder die Rückführung der Schweine genau dokumentieren“, erklärt Egbert Klokkers, Exportleiter von Westfleisch. So müsse ein Schwein in Deutschland geboren, gemästet, geschlachtet und mit Futtermitteln aus deutschem Anbau gefüttert worden sein.

Im August 2009 hatten chinesische Veterinäre insgesamt 25 Fleischbetriebe in Deutschland unter die Lupe genommen. Jede Ecke und Schlachtbank, die Kühl- und Gefrierhäuser, auch Schweinehälften hatten sie nach Schmutz und Ungeziefer untersucht. Sie hatten Schlachter befragt, Dokumente gesichtet und sich nach Wasser und Salmonellen erkundigt. Ein anderes wichtiges Kriterium war die Kühlung gewesen. Ein Punkt, an dem die meisten Schlachtbetriebe scheiterten. „Viele besitzen nicht die geforderten Gefriermöglichkeiten“, erklärt Heike Harstick, Geschäftsführerin des Verbands der deutschen Fleischwirtschaft (VDF). Denn Fleisch und Innereien werden gefroren nach China transportiert.

„Wenn die ersten Lieferungen reibungslos ablaufen, wächst das Vertrauen in die deutschen Fleischbetriebe“, glaubt Harstick und hofft auf weitere Zertifikate. Denn China ist ein großer Markt. Keine Nation verspeist mehr Schweinefleisch als die Chinesen – im vergangenen Jahr waren es knapp 50 Millionen Tonnen. Die Deutschen kommen gerade einmal auf viereinhalb Millionen. Die deutschen Schweinezüchter könnten neue ausländische Kunden gut gebrauchen. Sie leiden unter den niedrigen Preisen, die sie im Inland für ihre Schweine bekommen. Von 2003 bis 2007 lag der Kilopreis zwischen 1,25 und 1,40 Euro. 2008 waren es über 1,50 Euro, jetzt hat sich der Preis wieder bei rund 1,35 Euro eingependelt.

VDF-Chefin Harstick rechnet zwar nicht mit steigenden Fleischpreisen, dennoch würden die Exporteure von China profitieren. Die Schweine könnten besser verwertet und der Markt optimiert werden, glaubt sie. Denn nicht verwertete Produkte wie Ohren oder Masken müssten sonst kostenpflichtig entsorgt werden. Einen Wermutstropfen gibt es doch: „Eines der wichtigsten Produkte sind Pfoten. Aber die hat China bei der Einfuhr ausgeschlossen“, ärgert sich Harstick. Schweinefüße werden wohl weiterhin den Umweg über Hongkong und Vietnam nach China gehen. Damit sind erhebliche Transportkosten sowie ein hoher Papier- und Zeitaufwand verbunden.

Bisher deckt die Volksrepublik ihren Bedarf weitgehend selbst. Nur rund 240 000 Tonnen Schweinfleisch importiert China aus dem Ausland. „China ist ein Einmarktregulator“, sagt Egbert Klokker von Westfleisch. Noch gehen die meisten Exporte nach Russland. Das dürfte wohl auch vorerst so bleiben. Severine Weber

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