Wirtschaft : „Deutsche sind oft Weltspitze“

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Herr Ostmeier, Finanzinvestoren werden gefürchtet weil sie Unternehmen kaufen, um sie zu zerschlagen.

Solche Leute gibt es. Blackstone ist aber ein Qualitätsinvestor. Wir kaufen gute Firmen, die wir weiterentwickeln und von denen wir uns erst dann trennen.

Was macht Blackstone noch anders?

Weil wir Unternehmen nur komplett kaufen, gehen wir ein viel höheres Risiko ein. Wir können nicht von einem auf den anderen Tag wieder aussteigen. Und damit die Geldgeber unserer Fonds etwas davon haben, müssen wir vor einem Verkauf das Unternehmen erst einmal weiterentwickeln und rentabler machen. Sonst rechnet sich das nicht. Problemfirmen zu kaufen oder Unternehmen zu zerschlagen, das ist nicht unser Geschäft.

Sie mischen sich ins Tagesgeschäft ein …

Nicht mehr als jeder andere Gesellschafter, der ein Unternehmen beherrscht.

Verstehen Sie genug vom Tagesgeschäft?

Wir führen die Firmen ja nicht selbst. Das macht schon das Management. Aber wenn man wie Blackstone Beteiligungen in einem Wert von über 80 Milliarden US-Dollar gekauft hat, dann darf man gewisse Erfahrungen voraussetzen. Wir erkennen gute Firmen. Und wir nutzen die Hilfe branchenkundiger Berater.

Muss man nicht exakt wissen, wie etwas funktioniert, um erfolgreich zu sein?

Ich glaube nicht. Erfolgreiche Investoren müssen nicht wissen, wie man ein Unternehmen bis ins letzte Detail führt. Wir müssen das Gespür für Managementtalente haben und dafür, welche Entwicklungsmöglichkeiten das Unternehmen hat. Und das ist quer durch alle Branchen ähnlich. Mancher Industriekonzern ist trotz bester Branchenkenntnis bei seiner Einkaufstour auf die Nase gefallen.

Warum ist Deutschland interessant?

Deutsche Firmen sind im operativen Geschäft oft Weltspitze und können mit der Konkurrenz in den USA oder anderswo mühelos mithalten. Viele sind aber schlecht finanziert. Die Eigenkapitalausstattung ist im internationalen Maßstab viel zu niedrig. Zu D-Mark-Zeiten gab es von jeder Sparkasse preiswerte Kredite. Investitionen wurden nicht selten ohne Rücksicht auf Rendite gemacht. Das ändern wir.

Das ist aber nicht der einzige Grund, sich in Deutschland umzusehen?

Nein. Zurzeit ist Deutschland dabei, seine Nachkriegshistorie zu überwinden. Dazu zählt die Entflechtung der alten Deutschland AG mit den engen Verbindungen zwischen Banken und Industrie und der Industrie untereinander. Wenn den Firmen der raue Wind des Weltmarktes ins Gesicht bläst, dann müssen sie sich konzentrieren. Zum Beispiel, indem sie sich von zwei Geschäften trennen, um in einem Geschäft wirklich Weltklasse zu sein. Dadurch ergeben sich Kaufgelegenheiten für uns, die es vorher nicht gab.

Bei vielen Übernahmen spielen US-Finanzinvestoren eine entscheidende Rolle. Wollen die hier Schnäppchen machen?

Das liegt nicht zuletzt an der Einführung des Euro. US-Investoren erkennen jetzt einen riesigen Beteiligungsmarkt. Sie interessierten sich früher nicht für Frankreich oder Deutschland und für Franc oder D-Mark. Investitionen waren für sie mit zu großen Währungsrisiken verbunden. Jetzt gibt es aber einen europäischen Beteiligungsmarkt.

Das Gespräch führte

Dieter Fockenbrock

Hanns Ostmeier

ist Deutschland-

Geschäftsführer der Blackstone-Group . Das amerikanische Unternehmen zählt

zu den führenden

Beteiligungsfirmen der Welt.

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