Wirtschaft : Deutsche Softwarebranche setzt auf Galileo

Verband: Großes Potenzial für Anwendungen des Satellitensystems / EADS begrüßt gemeinsames Angebot

Flora Wisdorff

Berlin - Die Softwarebranche sieht in der Entwicklung von Anwendungen für das Satellitennavigationssystem Galileo großes Potenzial. „Wir machen uns große Hoffnungen, dass viele kleine und mittlere Unternehmen unseres Verbandes sich dort einbringen können“, sagte Manfred Breul, Bereichsleiter Telekommunikation beim IT-Verband Bitkom, dem Tagesspiegel. Am Montag ist das europäische Konkurrenzprojekt zum US- System GPS (Global Positioning System) auf den Weg gebracht worden, nachdem sich die EU-Kommission monatelang nicht für eines der beiden Konsortien entscheiden konnte, die das System aufbauen wollen.

Nun dürfen die beiden Konsortien zusammen bieten: auf der einen Seite iNavSat, hinter dem der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, die französische Thales und die britische Inmarsat stehen; auf der anderen Seite das Konsortium Eurely, hinter dem Frankreichs Alcatel, die italienische Finmeccanica sowie AENA und Hispasat aus Spanien stehen. Da alle diese Staaten Galileo zur Hälfte mitfinanzieren, wollten auch alle, dass ihre Firmen beteiligt sind.

Die Industrie hat am Dienstag begrüßt, dass das europäische Satellitennavigationssystem nun auf den Weg gebracht wurde. „Wir sind froh, dass der Stillstand überwunden ist und Galileo jetzt kommt, auch wenn für uns unterm Strich weniger übrig bleibt“, sagte EADS-Sprecher Hendrik Thielemann. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe befürchtet, dass die deutsche Industrie zu wenig Aufträgen abbekommt, weil jetzt mehr Unternehmen beteiligt sein werden.

Die Softwarebranche ist jedenfalls optimistisch. Denn während für den Aufbau und Betrieb des Systems laut EADS-Sprecher Thielemann „nur einige Hundert Arbeitsplätze“ entstehen würden, liege in der Softwarebranche das größere Potenzial, denn die müsse die Anwendungen für das System entwickeln. Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers sieht europaweit ein Potenzial von 100000 Jobs. Weil Galileo genauer sei als GPS und vor allem auch den Nutzer warne, wenn es dennoch von der Genauigkeit abweiche, sei es besonders interessant für viele Unternehmen, sagt Bitkom- Experte Breul. Wie etwa bei der Flugzeugnavigation, bei der diese Warnung sehr wichtig sei. Neue Dienste könnten zum Beispiel auch für die Vermessung beim Straßenbau entwickelt werden. Zudem rechnet sich der Bitkom im Schiffsverkehr und dem Flottenmanagement von Speditionen einen Markt aus.

Da Galileo im Gegensatz zu GPS ein kostenpflichtiger Dienst sein soll, ist noch nicht sicher, ob das System auch für persönliche Navigationssysteme genutzt werden wird. Denn hier hat die Genauigkeit einen weniger hohen Stellenwert. Bei Gate5, einer Berliner Firma, die Routenplaner für Handys entwickelt, ist man jedoch optimistisch, dass Galileo vielleicht doch auch für das Massenpublikum gratis zur Verfügung stehen könne. „Der Markt explodiert“, sagt Gate-5-Geschäftsführer Christof Hellmis. In diesem Jahr würden in Europa fünf Millionen persönliche Navigationssysteme verkauft werden. „Der Druck auf Galileo, hier mitzumischen, wird sehr groß sein.“ Die Systeme von Gate5 funktionieren derzeit mit GPS, könnten jedoch problemlos auf Galileo angepasst werden.

Galileo wird je zur Hälfte von den hinter den Konsortien stehenden Unternehmen und den beteiligten fünf EU-Staaten finanziert. Die Aufbaukosten sollen 3,5 Milliarden Euro betragen. Bis Ende des Jahres wollen die Konsortien mit dem EU-Unternehmen Galileo Joint Undertaking (GJU) einen Vertrag unterschreiben. In Betrieb gehen werde das System erst 2010, sagte Thielemann von EADS.

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