Wirtschaft : Deutsche Stahlindustrie mit guten Aufträgen

Neuer Produktionsrekord im Visier / Drastischer Personalabbau HANNOVER (kv/HB).Die Aussichten für die deutsche Stahlindustrie sind positiv.Ruprecht Vondran, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, gab sich in Hannover ausgesprochen zuversichtlich: "Die Großkunden melden mit Ausnahme der Bauindustrie gute Auftragseingänge.Ihre vollen Orderbücher lassen erwarten, daß der inländische Stahlverbrauch noch mal um 3 Prozent nach 4,5 Prozent wächst." Von den Lagerbewegungen, die die Nachfrage in der Stahlindustrie oft erheblich beeinflussen, seien wohl keine Störungen zu erwarten. Auch im Ausland seien die Chancen nicht schlecht.Abgesehen von den Turbulenzen in Südostasien sei der Weltmarkt insgesamt in einer guten Verfassung.Die direkten Auswirkungen der Asienkrise für die deutsche Stahlindustrie seien vergleichsweise gering.Von den deutschen Ausfuhren gingen nur 7 Prozent in die Region.Zudem werde Südkorea als bedeutender Stahlproduzent die Abwertung seiner Landeswährung nur begrenzt in zusätzliche Exportaktivitäten umsetzen können, da ein großer Teil seiner Kosten (Erz, Kohle, Halbzeug) in harter Währung anfiele.Es sei auch nicht davon auszugehen, daß Japan als Ausgleich für geringeren Absatz in den benachbarten Krisenländern andere Märkte zu erobern versuche.Damit die Wirtschaftsturbulenzen auf Fernost beschränkt blieben, müsse allerdings Japan Widerstandsfähigkeit beweisen und endlich die nötigen Reformen auf den Weg bringen.Ferner müsse China der Versuchung einer Währungsabwertung widerstehen.Die angeschlagenen Staaten seien gehalten, die bittere Medizin zu schlucken, die ihnen der Internationale Währungsfonds verordnet habe. Positiv falle ferner in die Waagschale, daß der starke Dollar deutsche Stahlexporte begünstige.Und zwar auch deshalb, weil die großen Kunden wie Autoindustrie, Maschinenbau und Elektroindustrie auf dem Weltmarkt erfolgreich seien und die Stahlindustrie mitzögen.Auch sei der gegenwärtige Dollarkurs ein "Schutzschild gegenüber einem übermäßigen Importdruck". Vieles spreche also dafür, daß die Ausfuhrmengen von 19,5 Mill.Tonnen des vergangenen Jahres gehalten werden könnten.1996 wurde Rohstahl im Volumen von 17,1 Mill.Tonnen exportiert.Die Einfuhren dürften nach Vondrans Worten bei rund 15,5 Mill.Tonnen nach 14,4 (Vorjahr 13,4) Mill Tonnen liegen.Die Rohstahlproduktion der Branche werde voraussichtlich um 2 Prozent auf rund 46 Mill.Tonnen steigen.Vondran: "Das ist kein Steilflug, aber doch eine respektable Höhe.In keinem Jahr seit der Wiedervereinigung hat die Stahlindustrie mehr produziert." Im vergangenen Jahr nahm die Stahlerzeugung unerwartet um 13,1 Prozent auf 45,0 (39,8) Mill.Tonnen zu; in Westdeutschland stieg sie um 13,3 Prozent auf 39,7 (35,0) Mill.Tonnen und in Ostdeutschland auf 5,3 (4,8) Mill.Tonnen.Zum Vergleich: Die Weltrohstahlproduktion zog um 6 Prozent und die der EU (ohne Deutschland) um 7 Prozent an. Auch die Preise bewegten sich im Verlauf des Jahres wieder nach oben, eine Entwicklung, die anhalte.Das "Zwischenhoch" des Jahres 1995 sei aber noch nicht wieder erreicht. Darüber hinaus sei die Branche auch bei der Kostenreduzierung weiter vorangekommen.Am deutlichsten würde dies an der Steigerung der Arbeitsproduktivität: "Im kritischen Jahr 1993" hätten 150 000 Beschäftigte knapp 38 Mill.Tonnen Rohstahl erzeugt.Im vergangenen Jahr produzierten 110 000 Arbeitnehmer 45 Mill.Tonnen.Das sei eine Produktivitätsverbesserung von rund 60 Prozent, führte der Präsident weiter aus.Dies sei die höchste Steigerung in ganz Europa."Die höhere Erzeugung und die verbesserte Produktivität haben auch den Erfolgsrechnungen gut getan.Die Unternehmen konnten im 1997 solide schwarze Zahlen schreiben", betonte Vondran.Der Umsatz stieg um 9,9 Prozent auf 26,8 (24,7) Mrd.DM.Weitere Produktivitätsverbesserungen seien durchaus möglich."Die deutsche Stahlindustrie hat mehr Vitalität, als viele ihr zugetraut haben", kommentierte Vondran.

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