Wirtschaft : Deutsche Strombörse ist in Sicht

HANNOVER .Die Pläne zur Errichtung der ersten deutschen Strombörse in Hannover kommen offensichtlich zügig voran.Nach Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums vom Donnerstag soll spätestens im Januar 1999 die Trägergesellschaft der Börse gegründet werden.Der Start des Handels mit Strom und Stromtermingeschäften wird für die erste Hälfte des Jahres 2000 erwartet.Bislang bemühen sich neben Hannover die Börsen in Frankfurt und Düsseldorf.

Das niedersächsische Konzept skizziert Rahmenbedingungen und Anforderungen an Aufbau und Betrieb einer Strombörse.Es wurde in Abstimmung mit Vertretern der Energiewirtschaft, Banken sowie Börsenexperten erarbeitet.Von den großen Versorgern saßen die PreussenElektra AG (Hannover) und die Bayernwerk AG (München) mit am Tisch.Das Konzept sieht vor, daß die Strombörse auf andere Energieträger ausgeweitet wird und "sich in Kürze zur führenden europäischen Energiebörse entwickeln" kann.Auch die Gaswirtschaft soll von Beginn an der Trägergesellschaft angehören.

Auslöser ist die weltweite Öffnung des Strommarktes.Mit der Liberalisierung entfallen seit Ende April auch in Deutschland die Monopole der Versorgungsunternehmen.In dem 36seitigen Konzept heißt es, der deutsche Strommarkt befinde "sich zur Zeit an einem kritischen Punkt".Aus Nachbarstaaten werde der Industrie Strom mit erheblichen Preisvorteilen angeboten.Die 1996 von Norwegen und Schweden gegründete Börse Nord Pool wolle sich ausdehnen.Die geplante Strombörse Amsterdam werbe ebenso um deutsche Kunden.Es drohe daher eine "Zersplitterung des deutschen Marktes."

Wirtschaftsminister Peter Fischer (SPD) bestätigte auf Anfrage den Zeitdruck.Verbände und Unternehmen müßten sich zügig zusammenfinden."Es ist notwendig, möglichst schnell zu einem Konsens über die Errichtung einer Strom- und Stromterminbörse zu kommen.", sagte Fischer.

Träger der Strombörse soll eine Aktiengesellschaft unter Beteiligung wichtiger Unternehmen der Energiewirtschaft, des Energiehandels, Chemie, Automobil oder Stahl werden.Zur Startfinanzierung soll die Strombörse AG 20 Mill.DM bereitstellen.Erster Schritt wird die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit der New Yorker Rohstoffbörse Nymex sein.Die Strombörse Hannover will das elektronische Handelssystem von Nymex übernehmen und damit sowohl konkrete Strommengen als auch Termingeschäfte und Optionen handeln.Beide Sparten zusammen bietet bislang nur Nord Pool an.

Die Modalitäten der Durchleitungsgebühren sollen über einen Vertrag zwischen der Strombörse und den Betreibern der Leitungsnetze gelöst werden.Ziel sind transparente Durchleitungskosten.Individuelle Verhandlungen zwischen Anbieter und Käufer sollen ausgeschlossen werden.Für die Abwicklung der Finanzgeschäfte an der Börse soll die Clearing Bank Hannover zuständig werden.Eine spätere Anbindung der Strombörse an die WTB sei denkbar.

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