• Deutsche Telekom AG: Immer schon, besonders in Wahljahren, begleitet in den USA eine protektionistische Rhetorik die freihändlerische Praxis

Wirtschaft : Deutsche Telekom AG: Immer schon, besonders in Wahljahren, begleitet in den USA eine protektionistische Rhetorik die freihändlerische Praxis

Rainer Hank

Der Streit zwischen der amerikanischen Regierung, der EU-Kommission und der Welthandelsorganisation WTO eskaliert: Amerika kämpft mit Protektionismus für Privatisierung. Das Ziel ist gut, das Mittel nicht. Es wäre skurril, wenn jetzt der amerikanische Kongress ein Gesetz beschlösse, das ausländischen Unternehmen mit über 25 Prozent Staatsbeteiligung den Zugang zum heimischen Markt verwehrt. Eben erst haben die USA für die Liberalisierung des japanischen Telekommarktes gekämpft. Jetzt wollen sie den eigenen Markt wieder schließen. Doch gemach. Noch handelt es sich nicht um ein Gesetz, sondern die um Vorschläge einiger Demokratischer Senatoren. Noch immer war es in den Vereinigten Staaten schick, mit protektionistischen Statments Wähler zu umwerben. Zumal in einer Phase des beginnenden heißen Wahlkampfes. Die ganze Geschichte amerikanischer Handelspolitik im 20. Jahrhundert durchzieht der Widerspruch von protektionistischer Rhetorik und freihändlerischer Praxis. Das heißt aber auch: Letztlich hat sich meist das liberale Konzept durchgesetzt.

Hinzu kommt: Die Stimmung der US-Bevölkerung hat sich seit Ende der 80er Jahre gedreht. Damals, in der Krise der amerikanischen Wirtschaft, herrschte tatsächlich die Angst, von Asien übberrundet zu werden. Parolen wie "Buy american", kauft amerikanisch, machten die Runde und MIT-Wissentschaftler schrieben Bücher darüber, wie sich der Ausverkauf der amerikanischen Produktion verhindern lasse. Doch heute strotzt Amerika vor wirtschaftlichem Selbstbewusstsein. Ein Land, dessen Wirtschaft im neunten Jahr in Folge im Aufschwung ist, braucht sich nicht vor der Deutschen Telekom zu fürchten. Im Gegenteil: Man hat unterdessen die Segnungen ausländischer Investitionen erfahren. Tatsächlich gibt es viele Engagements ausländischer Investoren in den USA: Daimler-Chrysler ist nur das prominenteste Beispiel. Ausländische Unternehmen haben nach einem Bericht der Financial Times in diesem Jahr bereits Gebote für 875 US-Unternehmen im Wert von 176 Milliarden Dollar abgegeben. Doch vor Überfremdung haben die Amerikaner keine Angst. Frech wie er ist, schrieb der Ökonom Paul Krugman am vergangenen Sonntag in der New York Times: "Über kurz oder lang haben wir noch jedes ausländische Unternehmen - mit Ausnahme seines Namens - amerikanisiert."

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