Wirtschaft : Deutsche Telekom AG: Voicestream kostet den Telefonriesen viel Kraft

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Telekom-Chef Ron Sommer nannte es am Donnerstag einen "wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum ersten transatlantischen GSM-Mobilfunkanbieter". Am Vortag hatte die US-Aufsichtsbehörde FCC die bereits im Juli 2000 angekündigte Übernahme des amerikanischen Mobilfunkunternehmens Voicestream genehmigt. Damit gelangt auch die von Voicestream übernommene Powertel in den Telekom-Konzern. Der Zusammenschluss soll bis Ende Mai 2000 abgeschlossen sein. Nach den aktuellen Aktienkursen hat die Übernahme ein Volumen von etwa 30 Milliarden Euro.

Mit der Übernahme von Voicestream und Powertel ist der Deutschen Telekom der Sprung auf den wichtigen amerikanischen Markt gelungen. Was den Mobilfunk betrifft, sind die Vereinigten Staaten ein Wachstumsland, denn sie liegen auf diesem Gebiet weit hinter Europa zurück. Nur etwa 40 Prozent der Amerikaner besitzen ein Handy. In den wichtigsten europäischen Märkten liegt diese Rate schon bei über 60 Prozent. "Es ergeben sich große Möglichkeiten", sagt Markus Glockenmeier, Analyst beim Bankhaus Delbrück, weshalb er die Übernahme auch für ein gutes Geschäft hält. In ein paar Jahren werde die Penetrationsrate in den USA bei 85 Prozent liegen, "das bedeutet 150 Millionen potenzielle Kunden."

Außerdem arbeiten die US-Mobilfunkanbieter mit einer anderen Technik, die der in Europa - auch von der Telekom - genutzten GSM-Technik unterlegen ist. Voicestream baut dagegen in den USA ein GSM-Netz auf und hat bereits fast flächendeckend Lizenzen erworben. "Im Moment erreicht Voicestream allerdings erst etwa die Hälfte der Bevölkerung", sagt Frank Rothauge, Analyst vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Daher gebe es bei Voicestream noch einen erheblichen Investitionsbedarf. "Das wird ein Kraftakt für die Telekom, der das Ergebnis belasten wird", sagt Rothauge.

Voicestream ist mit derzeit etwa 4,4 Millionen Kunden nur der sechstgrößte Anbieter auf dem US-Markt. Der Marktführer Verizon hat annähernd 30 Millionen Kunden. Im Geschäftsjahr 2000 erwirtschaftete Voicestream einen Umsatz von 1,9 Milliarden Dollar (4,14 Milliarden Mark), wies dabei aber einen Verlust von 2,1 Milliarden Dollar aus.

"Noch hat Voicestream den Vorteil, der einzige GSM-Anbieter in den USA zu sein", sagt Glockenmeier. Potenzielle Kunden für Voicestream sind daher vor allem auch die Europäer, die in die USA reisen. "Aber die Wettbewerber schlafen nicht", sagt Rothauge. AT&T Wireless (15,2 Millionen Kunden Ende 2000) rüstet das eigene Netz jetzt ebenfalls mit GSM-Technik aus. "Der zeitliche Vorsprung ist nicht sehr groß", sagt Rothauge. Glockenmeier schätzt die Gefahr durch die Konkurrenz nicht so hoch ein, weil der amerikanische Markt eben noch nicht so weit erschlossen ist. "Jetzt hat Voicestream die Unterstützung der Telekom."

Mit einem Scheitern der Übernahme rechnet Sommer nicht mehr. Er erwartet, dass sich der Kurs der T-Aktie im kritischen Zeitraum vom 23. bis 29. Mai nicht unterhalb von 33 Euro bewegt. Ansonsten hätten die Voicestream-Aktionäre ein Rücktrittsrecht. Auch Analysten gehen davon aus, dass es für Voicestream keine Alternative zum Zusammenschluss mit der Telekom gibt.

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