Wirtschaft : Deutsche Telekom: Das Unternehmen kooperiert mit British Telecom

Die Deutsche Telekom und British Telecom (BT) wollen ihre UMTS-Mobilfunknetze in Großbritannien und in Deutschland gemeinsam aufbauen und dabei ihre Kosten langfristig um bis zu 30 Prozent senken. Die beiden Konzerne haben diese erste grenzüberschreitende UMTS-Kooperation am Dienstag bekannt gegeben. "Das ist ein Meilenstein für einen schnellen, flächendeckenden und kostengünstigen Netzaufbau in beiden Ländern", sagte Kai-Uwe Ricke, Chef der Telekom-Mobilfunksparte T-Mobile.

Eine entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) haben die beiden Konzerne unterschrieben. Anfang September soll ein Vertrag folgen. Bis dahin verhandeln die Unternehmen exklusiv. Die geplante Kooperation muss dann von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post abgesegnet werden. Vor einer Woche hat der Regulierer einen solchen Schulterschluss in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Die UMTS-Lizenznehmer können sich bei den neuen Mobilfunknetzen nicht nur Antennen-Standorte, Kabel und Masten teilen, sondern auch die Sende- und Empfangsanlagen gemeinsam nutzen. Zudem dürfen die Unternehmen in Regionen, wo sie kein Netz besitzen, auf die Infrastruktur des Konkurrenten zurückgreifen (Roaming). Experten erwarten eine ähnliche Regelung der britischen Regulierungsbehörde.

Die Telekom geht davon aus, dass der UMTS-Netzaufbau in Deutschland und Großbritannien etwa neun Milliarden Euro kosten wird. Durch die geplante Zusammenarbeit mit BT könne man drei Milliarden Euro bis zum Jahr 2010 sparen, hieß es bei der Telekom. Zwei Drittel dieser Summe sollen in Großbritannien bei der Telekom Tochter One-2-One anfallen. Die Telekom plant ihren UMTS-Start für das Jahr 2003. Erste nennenswerte Umsätze werden erst 2004 erwartet.

BT beziffert die Ersparnis auf insgesamt zwei Milliarden Euro. Davon profitiert in erster Linie die deutsche BT-Tochter Viag Interkom, die bereits bei den bestehenden Mobilfunknetzen mit der Telekom-Mobilfunksparte T-Mobil zusammen arbeitet. Insgesamt hatte BT mit Investitionen in die neue Technologie von zehn Milliarden Euro gerechnet. Der Chef der BT-Mobilfunktochter BT Wireless, Peter Erskine, bestätigte gestern dem Handelsblatt in London, dass sein Unternehmen auch in anderen europäischen Ländern an UMTS-Allianzen arbeite: "Wir prüfen dies in den Niederlanden und in Irland."

Analysten bewerteten die Kooperation als "wirtschaftlich sinnvoll". Der Kurs der BT-Aktie legte am Dienstag zwischenzeitlich um 1,8 Prozent auf 433,5 Pence zu. Auch die Telekom konnte zeitweilig von der Nachricht profitieren. "Der Telekom bringt vor allem das in Großbritannien geplante Roaming Vorteile", sagte Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Der Konzern könne dadurch seine Ausgaben für das bestehende GSM-Netz zurückfahren und stärker in UMTS investieren. Die Analysten erwarten in den kommenden Wochen weitere UMTS-Allianzen. Dabei seien Modelle "nicht nur mit zwei Partnern" denkbar. Bisher heißt es in der Branche: Jeder verhandelt mit jedem.

Marktführer Vodafone werde sich an den Kooperationen allerdings kaum beteiligen, meint Jon Tysoe, Analyst von WestLB Panmure. "Vodafone ist überzeugt, dass das eigene Netz das Beste ist, sowohl in Deutschland als auch in England - warum sollten sie anderen Zugang geben?" Vodafone-Chef Chris Gent hatte zudem erklärt, sein Unternehmen sei nicht daran interessiert, den überschuldeten Konkurrenten durch UMTS-Allianzen zu helfen.

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