Wirtschaft : Deutsche Telekom: Der ehemalige Monopolist treibt die Konkurrenten

Corinna Visser

Die Revolution frisst ihre Kinder. Als Anfang 1998 die ersten alternativen Telefongesellschaften mit ihren Billig-Tarifen auf den Markt kamen, da staunten die Kunden. Kann man bei so niedrigen Preisen noch Geld verdienen? Inzwischen jedenfalls immer weniger, was immer mehr Pleiten bei den alternativen Anbietern zeigen. Der ehemalige Monopolist Deutsche Telekom hat die Herausforderung angenommen und mit massiven Preissenkungen auf den Wettbewerb reagiert. Die anfangs erklecklichen Margen der Wettbewerber sind geschrumpft. Aber auch bei Service und Kundenfreundlichkeit hat die Telekom offenbar Boden gut gemacht, denn hier zieht sie mit den Wettbewerbern gleich auf. Jetzt sind die neuen Anbieter gefragt. Wenn sie nicht mehr zu bieten haben, als ein paar Pfennig billiger zu sein als die Telekom, werden sie die Kunden nicht zum Wechsel bewegen können. Auch mit dem ewigen Vorwurf an die Telekom, sie behindere und verzögere in vielen Fällen den Wechsel der Kunden, werden sie bei den Verbrauchern keine Sympathie erzeugen. Diese Probleme interessieren den Kunden nicht. Attraktive Angebote schon.

Dass der Wettbewerb inzwischen in einigen Bereichen funktioniert, heißt nicht, dass die Regulierung überflüssig geworden ist. Die Wettbewerber haben recht, wenn sie weiterhin die Kontrolle der Telekom verlangen. Im Ortsnetz gibt es nämlich noch keinen funktionierenden Wettbewerb. Hier liegt aber der Schlüssel für margenträchtigere Geschäftsmodelle. Und im Markt für schnelle Internetanschlüsse zeigt die Telekom gerade, wie sie sich in Windeseile wieder eine monopolartige Stellung erkämpft. Regulierung ist weiter nötig und die Wettbewerbs-Bedingungen im Ortsnetz müssen besser werden. Letzteres gilt aber auch für die Kundenfreundlichkeit und Produktinnovation bei den Telekom-Wettbewerbern.

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