Wirtschaft : Deutsche Telekom: Der Konzern enttäuscht mit polierter Bilanz

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Die Deutsche Telekom hat am Dienstag enttäuschende Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt. Nach Abzug von Sondereffekten habe sich der Konzernüberschuss von 1,3 Milliarden Euro auf 700 Millionen Mark nahezu halbiert, teilte das Unternehmen mit. Aufpoliert wurde die Bilanz vor allem mit Verkäufen und dem Börsengang von T-Online. Nach Bekanntgabe der Zahlen gab die zuletzt gestiegene T-Aktie zeitweise um vier Prozent nach.

Nach den vorläufigen Eckdaten für die ersten drei Quartale hinterließen vor allem Firmenverkäufe und Akquisitionen tiefe Spuren in der Telekom-Bilanz. Berücksichtigt man diese Sondereffekte, kletterte der Konzernüberschuss auf 8,4 Milliarden Euro, das Sechsfache des vergleichbaren Vorjahresergebnisses. Analysten hatten diesen Ergebnissprung erwartet. Allein der steuerfreie Verkauf der Telekom-Beteiligung am internationalen Telefondienstleister Global One im ersten Quartal spülte 2,9 Milliarden Euro in die Konzernkasse. Mit dem Börsengang von T-Online im April fuhr der Mutterkonzern 2,7 Milliarden Euro ein. Positiv zu Buche schlug auch der steuerfreie Verkauf der Beteiligung am italienischen Mobilfunkbetreiber Wind mit 2,3 Milliarden Euro. Die Verkäufe der Mehrheitsbeteiligungen an den Telekom-Kabelnetzen in Nordrhein-Westfalen und Hessen brachten im dritten Quartal zusammengerechnet 2,96 Milliarden Euro vor Steuern. Der Konzern-Umsatz stieg in den ersten drei Quartalen von 25,5 auf 29,3 Milliarden Euro (plus 14,5 Prozent). Davon entfielen rund 2,3 Milliarden Euro hauptsächlich auf die erstmals voll konsolidierten Firmen One-2-One, Club Internet und Siris. Ohne sie wuchs der Umsatz um 5,5 Prozent auf 27 Milliarden Euro.

Verstimmt zeigten sich am Dienstag Investoren vor allem aufgrund der milliardenschweren Ausgaben im Mobilfunkbereich, die die Finanzverbindlichkeiten der Telekom deutlich steigen ließen. Die Zahl der Mobilfunk-Kunden verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die deutsche UMTS-Mobilfunklizenz musste die Telekom allein rund 8,5 Milliarden Euro hinblättern. Die Brutto-Verschuldung des Konzerns stieg von 38,5 Milliarden Euro auf 62,1 Milliarden Euro. Endgültige und detaillierte Geschäftszahlen für den Zeitraum bis Ende September will die Telekom am 30. November bekannt geben.

Unterdessen dürfen sich die Bundesbürger über sinkende Telefontarife freuen. Im Oktober 2000 lagen die Preise für Telefondienstleistungen um 4,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, berichtete das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden. Im September 2000 sanken die Tarife binnen Jahresfrist um 4,9 und im August um 4,7 Prozent. Inlandsferngespräche waren um 7,9 Prozent günstiger. Bei den Ortsgesprächen, die nach Angaben des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) zu 98,9 Prozent über die Telekom abgewickelt werden, sank der Preis nur um 0,7 Prozent.

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