Wirtschaft : Deutsche Telekom: Der Telefonriese hat doch noch Chancen bei Sprint

Nach dem vorläufigen Scheitern der Mammutfusion zwischen den US-Telekom-Konzernen Sprint und Worldcom gilt an der Wall Street die Deutsche Telekom als möglicher Käufer eines der beiden Unternehmen. Das US-Justizministerium hatte am Dienstag gegen die geplante Fusion der beiden amerikanischen Telekomgiganten im Wert von 115 Milliarden Dollar aus Wettbewerbsgründen Klage eingereicht. Daraufhin hatten die beiden Konzerne ihre Fusionsanmeldung bei der EU-Kommission zurückgezogen. Die EU-Kommission verbot die Fusion am Mittwoch in Brüssel dennoch. Dabei handelt es sich um ein förmliches Verbot, da der Fusionsvertrag nach Ansicht Brüssels weiter besteht. "Wir haben nicht gesehen, dass die Fusionsvereinbarung zurückgenommen wurde", sagte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti am Mittwoch in Brüssel. Monti erklärte weiter, das gemeinsame Unternehmen hätte eine marktbeherrschende Stellung im europäischen Internetverkehr eingenommen. Das hätte zu höheren Preisen für die Verbraucher führen können.

Das US-Justizministerium begründete seine Klage damit, dass Worldcom und Sprint zusammen 27 Prozent des US-Ferngesprächsgeschäfts und gemeinsam mit dem Branchenführer AT & T 80 Prozent des Marktes hätten. Die beiden Firmen hätten mit ihren Netzen 53 Prozent des gesamten Internet-Verkehrs und bei Auslandstelefongesprächen 30 Prozent Marktanteil.

Bisher haben die beiden Konzerne ihren Zusammenschluss noch nicht abgeblasen. Worldcom, die zweitgrößte US-Ferngesprächsgesellschaft, wollte Sprint kaufen, die Nummer Drei der US-Ferngesprächsbranche. Die beiden Firmen wollen ihre Optionen in den nächsten Tagen erst prüfen, gaben sie bekannt.

Das "Wall Street Journal" bezeichnete Sprint am Mittwoch als "Branchenjuwel", der wahrscheinlich von jemand anderem weggeschnappt werden dürfte. Potenzielle Bieter sind nach Darstellung der Zeitung neben der Deutschen Telekom die France Te¿lécom und die große US-Regionaltelefongesellschaft Bell South. Der radikalste Schritt wäre es, wenn sich die Worldcom zum Verkauf stellen würde, schrieb die Zeitung. Worldcom zieht nach Darstellung des Blattes auch in Erwägung, sich ganz aus dem Ferngesprächsgeschäft mit Verbrauchern zurückzuziehen. Dieses hatte Worldcom bekommen, als die Gesellschaft den zweitgrößten US-Ferngesprächsanbieter MCI übernommen hatte. Als Käufer dieser Sparte werden wiederum die Deutsche Telekom, die Bell-Telefongesellschaften und America Online gehandelt. Bei vielen US-Blättern steht die Deutsche Telekom ganz oben auf der Liste möglicher Käufer. "USA Today" nannte daneben France Télécom und die japanische Nippon Telegraph & Telephone als wahrscheinlichsten Käufer einer der beiden Firmen. Die "New York Times" glaubt, dass die Deutsche Telekom und Bell South die "wahrscheinlichsten Konsolidierungspartner sind, falls Sprint ledig bleiben sollte". Der demokratische Senator Ernest Hollings habe jedoch einen Gesetzentwurf eingebracht, der es Firmen, an denen ausländische Regierungen zu mehr als 25 Prozent beteiligt sind, untersagt, US-Kommunikationsfirmen zu kaufen. Die Deutsche Telekom befinde sich zu 58 Prozent im Regierungsbesitz.

Der für die internationalen Operationen der Deutsche Telekom zuständige Vorstand, Jeffrey A. Hedberg, hatte am Wochenende der "Washington Post" gesagt, die Telekom wolle sich in den rasch wachsenden amerikanischen Mobilfunkmarkt aber auch ins Internet- und Telefonnetz einkaufen. Dabei betonte er: "Sprint wäre interessant."

Falls Worldcom und Sprint ihre Transaktion tatsächlich absagen sollten, werde Worldcom, vor allem an dem riesigen amerikanischen Mobilfunknetz von Sprint interessiert, wahrscheinlich Mobilfunkoptionen suchen, schrieb die "New York Times". Die wahrscheinlichsten Mobilfunkkandidaten seien Nextel und Voicestream.

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