Wirtschaft : Deutsche Telekom: Die T-Aktie fällt unter den Ausgabepreis

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Die T-Aktie ist am Donnerstag auf ein neues Jahrestief gefallen. Im Tagesverlauf sank das Papier der Deutschen Telekom um 4,5 Prozent auf 14,06 Euro und damit unter den Ausgabepreis von 1996. Das Investmenthaus Goldman Sachs hatte die Aktie herabgestuft. Zudem belasteten schlechte Nachrichten aus den USA: Die Telekom muss bei der Mobilfunktochter Voicestream einmalig 4,3 Milliarden Euro abschreiben. Es fehlen gute Nachrichten, die der T-Aktie wieder Auftrieb geben könnten.

Seit Jahresbeginn gelten in den USA neue Bilanzierungsregeln. Danach dürfen keine periodischen Abschreibungen auf Firmenwerte (Goodwill) und auf Lizenzen mehr vorgenommen werden. Auf die Bilanzen, die die Deutsche Telekom hier zu Lande nach HGB erstellt, hat das keine Auswirkungen. Auf die Bilanz nach amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften (US-Gaap) allerdings schon: Das Ergebnis von Voicestream muss im ersten Quartal um 4,3 Milliarden Euro nach unten korrigiert werden. Auch wenn diese Korrektur weder steuer- noch liquiditätswirksam ist, habe sie die Aktie psychologisch belastet sagen Analysten.

"Dass die Börse hier jetzt auf ein Quartalsergebnis nach US-Gaap reagiert, wundert mich sehr", sagt Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. "Das ändert an der Ertragskraft des Unternehmens nichts." Wenn die hohen Abschreibungen auf Mobilfunklizenzen wegfielen, werde Voicestream sogar früher die Gewinnzone erreichen.

Die Reaktion der Börse am Donnerstag ist ein weiteres Beispiel dafür, dass zur Zeit fast alle Meldungen aus dem Telekom-Sektor negativ aufgenommen werden. "Der ganze Sektor wird verprügelt. Früher hieß es immer, die negativen Nachrichten sind schon im Kurs enthalten", sagt Hallmann. Heute sorgten dagegen auch längst bekannte Sachverhalte für immer neue Kursverluste. Ihren tiefsten Stand aller Zeiten hatte die T-Aktie am 13. September 2001 erreicht: Damals fiel sie auf 13,85 Euro. Im November 1996 lag der Ausgabepreis der T-Aktie für Privatanleger bei 14,30 Euro.

Die Probleme, die die Deutsche Telekom und andere europäische Telekommunikationsunternehmen vor sich herschieben, sind tatsächlich nicht neu: Fast alle haben sich mit zu viel Euphorie in das Abenteuer UMTS gestürzt. Für die Lizenzen für die neue Mobilfunktechnik haben sechs Bieter allein in Deutschland 50 Milliarden Euro ausgegeben. Doch die Euphorie ist verflogen. Der Start der neuen Technik wird immer weiter nach hinten verschoben. Offen bleibt, wann mit UMTS wirklich Geld verdient wird.

Die Telekom hat einen Schuldenberg von 67,2 Milliarden Euro angehäuft. Den Plan, die Schulden bis zum Jahresende auf 50 Milliarden zu reduzieren, hat Finanzchef Karl-Gerhard Eick auf Ende 2003 verschoben. Denn die Telekom konnte ihr Kabelnetz nicht für 5,5 Milliarden Euro an Liberty Media verkaufen. Auch der Börsengang von T-Mobile, der zehn Milliarden einbringen soll, musste immer wieder verschoben werden - das Börsenumfeld ist einfach zu schlecht.

Für die ehemaligen Monopolunternehmen galt das Festnetzgeschäft als Cash-Cow, als Geldmaschine. Nun deutete Telekom-Chef Ron Sommer an, dass sich das Festnetzgeschäft im ersten Quartal schwach entwickelt habe, ähnliches zeichnet sich auch bei France Télécom ab - einer der Gründe, warum Goldman Sachs die T-Aktie jetzt herabstufte. Aber in der zweiten Jahreshälfte könnte sich dieser Trend schon wieder umkehren, sagt Analyst Hallmann. Immerhin hat die Telekom gerade die Preise für ihre Telefonanschlüsse erhöht.

"Die Bewertung der T-Aktie ist ein Witz", sagt Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Er sieht den fairen Wert der Aktie bei 30 Euro. "Die Telekommunikation ist eine Wachstumsbranche. Trotzdem sind Mobilfunkwerte derzeit günstiger bewertet als Stromtitel." Wann endlich die Wende kommt, will er nicht vorhersagen. "Erst wenn keiner mehr an die Aktien glaubt, ist der Tiefpunkt erreicht."

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