Wirtschaft : Deutsche Telekom: Internationales Geschäft stärkt den Konzern

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Telekom-Chef Ron Sommer hat die Ausgaben seines Unternehmens für den Erwerb der UMTS-Mobilfunklizenzen verteidigt. Die "exorbitant" hohen Kosten für die UMTS-Lizenz seien "eindeutig gerechtfertigt", sagte der Vorstandsvorsitzende am Dienstag bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz seines Unternehmens. "Denn die UMTS-Lizenz ist die Eintrittskarte zu einem Megamarkt mit phantastischen Perspektiven", sagte Sommer. Im Jahr 2010 werde es praktisch eine Vollversorgung mit UMTS-Anschlüssen bei insgesamt rund 80 Millionen Mobilfunkanschlüssen geben. Sommer rechnete vor, dass in zehn Jahren pro UMTS-Kunde ein durchschnittlicher Monatsumsatz von rund 60 Euro zu erwarten sei. Dabei werde der Sprachanteil beim Mobilfunk bei 40 Prozent, der Online-Anteil mit Werbung, Mehrwertdiensten und anderen Angeboten aber bei 60 Prozent liegen.

Sommer rechnet jedoch auf dem deutschen Markt nicht mit einem breiten Wettbewerb. "Ich gehe vielmehr davon aus, dass es auch auf dem deutschen UMTS-Markt zu einem klaren Konzentrationsprozess kommen wird wie schon auf dem Festnetzmarkt - aber sicher noch schneller und mit radikaleren Konsequenzen." Die Telekom werde dabei wegen ihrer hohen Technik- und Marketingkompetenz und der bereits vorhandenen großen Kundenbasis vom UMTS-Geschäft schneller und in höherem Umfang profitieren als andere, sagte Sommer.

Zukäufe belasten Telekomergebnis

Die hohen Ausgaben für die Gewinnung neuer Kunden haben allerdings auch dafür gesorgt, dass die Telekom im ersten Halbjahr 2000 weniger verdient hat. Der Konzernüberschuss der Telekom lag zwar mit 4,3 Milliarden Euro 450 Prozent über dem Vorjahreswert. Auf vergleichbarer Basis - ohne Sondereinflüsse - ging der Konzernüberschuss gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,2 Milliarden Euro auf 0,7 Milliarden Euro zurück. Der Rückgang des Überschusses ist nach Sommers Worten jedoch eine Investitionsgrundlage für weiteres Wachstum, künftige Umsätze und Erträge. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick sagte voraus, wegen hoher Goodwill-Abschreibungen für Zukäufe und die UMTS-Mobilfunklizenzen werde künftig weniger der Überschuss als die Veränderung des Vorsteuerergebnisses (Ebitda) charakteristisch für die Entwicklung des Konzerns sein.

Die Telekom bestätigte ihre früher bereits vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen für das erste Halbjahr weitgehend. Der Konzernumsatz nahm danach um real 15 Prozent auf 19,2 Milliarden Euro zu. Mit rund 1,5 Milliarden Euro entfiel mehr als die Hälfte des Zuwachses auf neu einbezogene Unternehmen wie die Auslandsgesellschaften One-2-One, Club Internet und Siris. Damit sei der im Vorjahr negativ durchschlagende Effekt der Preissenkungen im deutschen Festnetz überwunden worden. Auch ohne die neuen Gesellschaften habe der Umsatz im ersten Halbjahr um rund eine Milliarde Euro oder sechs Prozent über dem Vorjahreswert gelegen, sagte Finanzchef Eick.

Die Telekom habe im ersten Halbjahr 2000 vor allem ihr internationales Geschäft gestärkt, sagte Sommer. Der im Ausland erwirtschaftete Umsatz habe sich auf 17 Prozent von zuletzt acht Prozent erhöht. Gemessen am anteiligen Auslandsumsatz liege die Telekom in der Spitzengruppe der europäischen Telekom-Unternehmen, sagte der Telekom-Chef weiter. Auch im Vergleich mit den US-Anbietern sei der Internationalisierungsgrad der Deutschen Telekom hoch. In Osteuropa sei die Telekom besser aufgestellt als jeder andere Wettbewerber. Im US-Geschäft geht die Telekom weiter davon aus, dass der Mobilfunkanbieter Voicestream im kommenden Jahr übernommen werden kann. Zunächst soll Voicestream fünf Milliarden Dollar für den weiteren Ausbau des GSM-Mobilfunkgeschäfts bekommen, in einem zweiten Schritt soll das US-Mobilfunknetz dann durch die Übernahme von Powertel erweitert werden. Von den Lizenzen her deckten beide US-Anbieter ein Gebiet von 245 Millionen potenziellen Kunden ab.

Sommer sagte zum Kaufpreis für Voicestream von fast 56 Milliarden Dollar, die derzeit eher zögerliche Einstellung der Investoren zu den Telekom-Aktien werde bald überwunden sein. "Ich bin davon überzeugt, dass die aktuelle Schwäche der Aktien von Telekommunikationsunternehmen nicht von Dauer ist", sagte der Konzernchef. Es sei verständlich, dass der Kapitalmarkt die notwendigen Transaktionen im mehrstelligen Milliardenbereich nicht mit Begeisterung aufnehme. Kurzfristig werde sich das Unternehmen darauf konzentrieren, die "gewaltigen Wachstumsschübe effektiv und produktiv zu integrieren", sagte Sommer. An der langfristigen Strategie der Globalisierung der Telekom werde das aber nichts ändern.

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