Wirtschaft : Deutsche Telekom: Konzern hat Angst vor weiterem Börsengang

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Die Deutsche Telekom hat im ersten Halbjahr einen Verlust von 400 Millionen Euro (782 Millionen Mark) verbucht. Nach hohen Verlusten im ersten Quartal sei das Konzernergebnis im zweiten Vierteljahr aber ausgeglichen gewesen, teilte die Telekom bei Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen mit. Den geplanten Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile verschiebt die Telekom aufgrund der schwachen Aktienmärkte auf frühestens nächstes Jahr.

Nach "eingehender Prüfung" habe das Unternehmen beschlossen, den Börsengang von T-Mobile "nicht im Jahr 2001 umzusetzen", hieß es in Bonn. Ursprünglich wollte die Telekom den nach Kunden größten deutschen Mobilfunkbetreiber bereits im Herbst vergangenen Jahres an die Börse bringen. Doch wegen des schlechten Börsenumfelds hatte Konzernchef Ron Sommer das Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Problem: Angesichts der hohen Investitionen für den Aufbau der UMTS-Mobilfunknetze braucht T-Mobile dringend frisches Geld, das an den Kapitalmärkten aber immer schwieriger zu bekommen ist.

Trotz der Enttäuschung über die Absage des Börsengangs kann sich Konzernchef Sommer über ein sehr gutes Mobilfunkgeschäft freuen. Nach roten Zahlen im vergangenen Jahr, als T-Mobile sehr viel Geld für die Gewinnung von Neukunden ausgegeben hatte, verbesserte sich die Ertragslage in diesem Jahr deutlich: Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen habe sich das Ergebnis bis Ende Juni auf 1,4 Milliarden Euro verbessert. Im D1-Netz der Telekom telefonierten zuletzt 22,1 Mobilkunden. Weltweit hat das Unternehmen jetzt inklusive Voicestream 43,9 Millionen Mobilfunkkunden bei Firmen, bei denen die Telekom eine Mehrheitsbeteiligung hält. In den Fällen von Minderheitsbeteilingungen kommen weitere 14,7 Millionen Kunden dazu.

Der Umsatz der Telekom stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres um 17,4 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro (44,2 Milliarden Mark). Die Schulden der Telekom stiegen seit Ende März netto um zwölf Milliarden Euro. Allein 8,3 Milliarden Euro musste das Unternehmen von Voicestream und deren Tochter Powertel übernehmen. Ein Telekom-Sprecher wies die Befürchtungen von Analysten zurück, der Schuldenanstieg könne Einfluss auf die Kreditfähigkeit des Unternehmens haben. Ziel des Unternehmens sei weiter ein Abbau der Gesamtschulden "von jetzt rund 69 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro Ende 2002". Beim Personal machte sich die Eingliederung von Voicestream, Slovenske Telekommunikacie und Debis Systemhaus bemerkbar. Im Gesamtkonzern arbeiteten zuletzt 245 200 Menschen und damit 25,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bei der Deutschen Telekom waren 125 900 Mitarbeiter beschäftigt. Dies entsprach einem Rückgang von 5,4 Prozent.

Erfolgreich war die Telekom bei der Vermarktung ihrer T-DSL-Internet-Anschlüsse. Bis Ende Juni zählte die Telekom eine Million Kunden bei dem schnellen Webzugang. Tatsächlich angeschlossen waren allerdings erst 750 000 Nutzer, wie ein Telekom-Sprecher sagte. Das Unternehmen hoffe weiter, bis zum Jahresende 2,6 Millionen T-DSL-Anschlüsse zu vermarkten.

Die endgültigen Konzern-Zahlen inklusive der Ergebnisse der weiteren Konzernsparten T-Com (Festnetz) und T-Systems (IT-Dienstleistungen) veröffentlicht die Telekom am 28. August. Der Online-Dienst T-Online veröffentlicht am heutigen Mittwoch seine Halbjahreszahlen.

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