Wirtschaft : Deutsche Telekom: Konzern übernimmt noch einen US-Mobilfunker

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Die Deutsche Telekom AG wird nach der Übernahme des US-Mobilfunknetzbetreibers Voicestream auch den Mobilfunker Powertel übernehmen. Wie die Telekom gestern weiter mitteilte, wird das Geschäft von Powertel in Voicestream integriert. Voicestream vergrößert so die Reichweite des GSM-Mobilfunknetzes auf weitere Gebiete im Südosten der USA. Der Aktientausch ist nach derzeitigen Börsenkursen 12,7 Milliarden Mark wert.

Die Telekom wird bei dem Tausch 2,6 eigene Aktien pro Powertel-Aktie zahlen. Falls die Voicestream-Übernahme für knapp 100 Milliarden Mark noch an den politischen Bedenken in den USA scheitern sollte, wird sich die Telekom nicht an Powertel beteiligen. Es tritt dann ein vergleichbarer Aktientausch-Vertrag zwischen Voicestream und Powertel ohne Telekom-Beteiligung in Kraft, teilte die Telekom mit.

Powertel mit Sitz in West Point, Georgia, betreibt in 12 südöstlichen US-Staaten ein Mobilfunknetz nach dem europäischen GSM-Standard, den auch Voicestream nutzt. An beiden Startups ist bisher die finnische Sonera beteiligt. Im Vergleich zu Voicestream ist die Powertel-Akquisition billig: Bei 727 000 Kunden zahlt die Telekom einen Preis von 7900 Dollar pro Kunde gegenüber 15 000 Dollar, die sie für jeden der 2,6 Voicestream-Kunden zu zahlen bereit ist.

Auch bezogen auf die Einwohnerzahl der abgedeckten Gebiete kostet Powertel mit 236 Dollar pro potenziellem Kunden weniger als Voicestream mit 265 Dollar. "Das Zusammengehen von Voicestream und Powertel stärkt Voicestream, und das ist ganz in unserem Sinne", sagte ein Telekom-Sprecher. Voicestream erreiche so ein flächendeckendes Netz in 24 der 25 wichtigesten US-Märkte. Eine Lücke bestehe jetzt nur noch im Bereich Los Angeles / südliches Kalifornien. Dort gibt es einen regionalen GSM-Netzbetreiber, der zum US-Telekomkonzern SBC gehört. Ein Kauf dieses Unternehmens sei aber zur Zeit "kein Thema", sagte der Telekom-Sprecher.

Börsianer reagieren mit Zustimmung

Der Powertel-Übernahme haben die Großaktionäre von Voicestream und Powertel, die zusammen jeweils die Mehrheit halten, bereits zugestimmt. Sie unterliegt aber, wie die Voicestream-Übernahme, noch der Zustimmung der Kartellbehörden. Gleichzeitig übernimmt die Telekom 1,2 Milliarden Dollar Anlaufverluste.

Im 1. Halbjahr 2000 erzielte Powertel einen Umsatz von 212,3 Millionen Dollar und verzeichnete einen positiven Cash-flow. Großaktionäre von Powertel sind der Energiekonzern Scana (26 Prozent), die Telefongesellschaft ITC Holding (20 Prozent) und der finnische Telekomkonzern Sonera (13 Prozent). Sonera ist auch an Voicesstream beteiligt. Die Finnen haben wie im Fall Voicestream auch bei Powertel zugesagt, ihre Aktien gegen Telekom-Aktien einzutauschen. Nach dem Vollzug der Transaktionen wird Sonera etwa 2 Prozent an der Telekom halten.

Anders als bei der Ankündigung der Voicestream-Übernahme reagierten Börsianer mit Zustimmung: "Wenn der Zukauf von Powertel klappt, ist das eine interessante Sache", sagt Telekom-Analyst Marcus Schmitz von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Holger Grawe von der WestLB Panmure spricht von einem logischen Schritt der Telekom: "Powertel und VoiceStream ergänzen sich von der geographischen Lage hervorragend". Auch der Kaufpreis liege im Rahmen.

Ralf Hallman, Telekomanalyst bei der Bankgesellschaft Berlin, sagte, "der Telekomkurs steigt, die Investoren gehen wohl davon aus, dass das Unternehmen einen angemessenen Preis für Powertel zahlt." Insgesamt erreiche die Telekom nun 245 Millionen US-Einwohner mit den Diensten von Voicestream und Powertel. "Da bleiben nur einige weiße Flecken in den USA übrig." Der Kaufpreis von 8100 Dollar pro Kunde für Powertel falle im direkten Vergleich zu den mehr als 20 000 Dollar je Voicestream-Kunden anvisierten Betrag zwar niedrig aus, aber "der hohe Preis ist sicherlich gerechtfertigt", so Hallmann.

Ausschlaggebend für den Kursanstieg der T-Aktie sei aber die Halbjahresbilanz der Telekom heute, so Theo Kitz, Analyst bei der Münchener Privatbank Merck Finck & Co. Viele Anleger hätten noch Telekom-Papiere gekauft, um sie dann am Tag der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse wieder zu verkaufen. Die Ankündigung, dass Voicestream Powertel kaufen wolle, sei dagegen "eine eher kleine Sache", meinte Kitz.

Der Finanzvorstand der Telekom, Karl-Gerhard Eick, war am Wochenende mit der Bemerkung zitiert worden, er halte die T-Aktie für "dramatisch unterbewertet". Er räumte zugleich ein, dass es offenbar noch nicht ausreichend gelungen sei, den Aktionären und Investoren zu erklären, warum die hohen Kosten für die Akquisition von Voicestream und den Erwerb der UMTS-Lizenzen gerechtfertigt seien. Als seine vordringlichste Aufgabe sieht es Eick an, neues Zutrauen in die Aktie zu schaffen. Die T-Aktie war in den vergangenen Wochen um ein Drittel unter dem Kurs beim Börsengang der dritten Tranche bewertet worden.

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