Deutsche Telekom : Ohne Magenta

Die neue Marke der Deutschen Telekom Congstar soll eine Milliarde Umsatz bringen. Verbraucherschützer finden das neue Angebot teuer und unübersichtlich.

Corinna Visser
Obermann
Telekom-Chef Obermann hatte schon lange eine Zweitmarke angekündigt. -Foto: ddp

Berlin - Das Interesse war größer als von der Telekom erwartet: Am Dienstag schauten sich so viele Neugierige das neue Angebot des Konzerns im Internet an, dass die Seiten sich nur quälend langsam aufbauten. „Die Seiten sind leider überlastet“, sagte eine Sprecherin von Congstar. „Wir arbeiten daran. So einen Andrang hatten wir nicht erwartet.“ Kein guter Start für ein Angebot, das die Telekom vor allem über das Internet vertreiben will: Congstar ist die von Vorstandschef René Obermann bereits vor Monaten angekündigte Zweitmarke, mit der die Telekom Kunden an den Konzern binden will, die sie sonst vielleicht an die Konkurrenz verloren hätte. „Mit Congstar, der neuen Marke für Mobilfunk und DSL, nimmt die Deutsche Telekom den Kampf gegen Anbieter im Discountsegment des Telekommunikationsmarktes auf“, ließ Obermann am Dienstag mitteilen. Bei der Vorstellung der neuen Marke war er nicht dabei – auch das soll zeigen, wie eigenständig sie sein soll.

Die Zweitmarke ist der Versuch der Telekom, sich gegen den massiven Kundenschwund zu wehren. Allein 2006 verlor das Unternehmen zwei Millionen Festnetzanschlüsse an die Konkurrenz. Auch in diesem Jahr wird der Kundenschwund voraussichtlich unverändert hoch bleiben. Congstar richtet sich vor allem an junge Kunden und bietet Mobilfunk und schnellen Internetanschluss (DSL) auf der Basis eines Festnetzanschlusses der Telekom an. Wer Kunde werden will, muss im Internet oder telefonisch einen Vertrag abschließen. Die Rechnung gibt es per E-Mail. Die DSL-Box liefert die Berliner Firma AVM, die in Deutschland mit einem Anteil von 51 Prozent Marktführer bei DSL-Endgeräten ist.

Im Mobilfunkmarkt sind es vor allem die Discounter, die der Telekom und den anderen Netzbetreibern seit Mitte 2005 mit billigen und einfachen Angeboten Kunden abjagten. In diesen Bereich will Congstar nun hinein. Doch ein Preisbrecher ist der Spätstarter nicht: Der Grundtarif liegt bei 19 Cent pro Minute. „Da gibt es günstigere Angebote“, sagt Tarifexpertin Bettina Seute von Teltarif. Bei anderen Discountern telefoniert man ab 14 Cent. Für das Internet bietet Congstar monatliche Pauschalpreise (Flatrates) ab 14,99 Euro an. Daneben können Kunden bei Congstar auch elf verschiedene Flatrates für das Handy buchen. Will man in alle deutsche Netze zu einem Pauschalpreis telefonieren, kostet das 85 Euro im Monat. „Wenn überhaupt, dann lohnt sich das nur für Vieltelefonierer“, sagt Seute. Positiv hebt sie hervor, dass Congstar auf Grundgebühr und Mindestumsatz verzichtet und die Verträge eine kurze Kündigungsfrist – zwei Wochen zum Monatsende – haben. Man kann also schnell wieder wechseln, wenn ein Tarif nicht passt. Dennoch: „Das Angebot mit den vielen Flatrates und den Kombinationsmöglichkeiten ist unübersichtlich“, sagt Seute. Die Stiftung Warentest urteilt: „Eine große Überraschung sind die neuen Congstar-Tarife nicht. Sowohl für die DSL- als auch für die Mobilfunktarife gibt es bereits preiswertere Anbieter.“

Congstar-Chef Alexander Lautz will den Umsatz bis zum Jahr 2010 auf eine Milliarde Euro steigern. Dafür muss er die Zahl der Kunden von derzeit knapp 100 000, die noch von der Vorläufergesellschaft, dem Online-Anbieter Congster stammen, deutlich steigern.

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