Wirtschaft : Deutsche Telekom: Ron Sommer ist nicht aus dem Schneider

Corinna Visser

Um Ron Sommer, den Chef der Deutschen Telekom, ist es wieder etwas ruhiger geworden. Die Stimmen von Aktionären und Politikern, die Anfang dieses Jahres lautstark seinen Rücktritt forderten, sind verstummt. Ein Machtwort des Bundeskanzlers, der sich hinter Sommer stellte, beendete die öffentliche Diskussion. Vorerst, denn am 29. Mai muss sich Sommer auf eine turbulente Hauptversammlung in der Kölnarena einstellen.

Auf der Aktionärsversammlung im vergangenen Jahr waren die Vorwürfe gegen Sommer vergleichsweise harmlos. Da warf man ihm vor allem vor, dass er mit dem Ziel, aus der Telekom einen Weltkonzern, einen Global Player, zu machen, nicht vorankäme. Damals lag der Umsatzanteil, den die Telekom im Ausland erwirtschaftete, bei unter zehn Prozent. Immerhin: Im Jahr 2000 ist er auf 20 Prozent gewachsen. Mit der bevorstehenden Akquisition der US-Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel wird er weiter steigen.

In diesem Jahr werden die Aktionäre Sommer vor allem zwei Dinge vorwerfen: die katastrophale Entwicklung der T-Aktie und die Unstimmigkeiten bei der Bewertung des Immobilienvermögens. In beiden Fällen sieht sich Sommer ungerechtfertigt angegriffen. "Die erstklassige Positionierung unseres Unternehmens spiegelt sich derzeit in der Bewertung unserer Aktie leider nicht wider", sagte Sommer jetzt bei der Vorlage der Bilanz. Er sprach von einem Lemmingeffekt: Alle Technologiewerte würden in einen Topf geworfen womit der Telekom in seinen Augen unrecht geschieht. Die Aktionäre werden kontern, dass die Telekom im Wettlauf um die UMTS-Lizenzen zu hoch gepokert hat. Allein für die deutschen Lizenzen haben die sechs Konzerne insgesamt knapp 100 Milliarden Mark ausgegeben. Aktionäre und Analysten fragen sich, ob dieses Geld jemals wieder hereinkommt. Seit ihrem Höchststand von 104 Euro im vergangenen März ist die T-Aktie auf dem Weg nach unten und schafft derzeit nicht einmal mehr den Sprung über die Marke von 30 Euro. "Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass die Bodenbildung erreicht sein könnte", sagte Sommer. Ein schwacher Trost für die Aktionäre. Immerhin können sie wieder mit einer Dividende von 0,62 Euro rechnen.

Auf heftige Diskussionen muss sich Sommer auch bei dem Thema Immobilienbewertung einstellen. Seit Jahren schon wurde das Thema auf der Hauptversammlung zur Sprache gebracht, weil die Telekom in ihrer Eröffnungsbilanz keine Einzelbewertung der Grundstücke vorgenommen hatte. So entstand der Vorwurf, dass das Immobilienvermögen viel zu hoch bewertet sei. Die Telekom hat das immer bestritten - nahm jetzt aber selbst eine Wertberichtigung vor.

Die Tagesordnung zur Hauptversammlung ist am Dienstag veröffentlicht worden. Die Aktionäre haben nun eine Woche Zeit, ihre Gegenanträge zu formulieren.

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