Wirtschaft : Deutsche Telekom: Ron Sommer will im Mobilfunk deutlich mehr verdienen

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Telekom-Chef Ron Sommer erwartet bis Ende des Jahres zwischen 19 und 20 Millionen Mobilfunkkunden im Netz der Telekom-Tochter T-Mobil (D1). Damit konnte D1 die Kundenzahl in diesem Jahr verdoppeln. In der Vorweihnachtszeit gehe die Telekom von 100 000 Neukunden pro Tag aus. Sommer erwartet, dass die Zahl der Mobilfunkkunden in allen vier deutschen Netzen zusammen am Jahresende bei etwa 50 Millionen liegen wird. Damit übersteigt die Anzahl der Mobilfunkanschlüsse im Lande deutlich die der Festnetzanschlüsse (etwa 43 Millionen). "Deutschland ist im Mobilfunk kein europäisches Entwicklungsland mehr", sagte Sommer in Berlin.

Das hat Folgen für die Entwicklung des Marktes. "Nächstes Jahr wird sich die Wachstumsrate halbieren auf etwa 50 Prozent", sagte Sommer weiter. 2001 werde T-Mobil weniger in die Gewinnung neuer Kunden investieren. Das Ziel sei vielmehr, den Umsatz pro Kunde zu erhöhen. Das bisherige Wachstum habe viel Geld gekostet und auf die Gewinne gedrückt. Im kommenden Jahr werde sich der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bei T-Mobil "vervielfachen", sagte Sommer. "Wir werden deutlich mehr verdienen." Heute setze D1 pro Vertragskunde im Schnitt etwa 90 Mark im Monat um. Bei Kunden mit vorausbezahlten Guthabenkarten liege der Umsatz lediglich bei 28 Mark. Bis 2010 rechnet Sommer trotz weiter sinkender Preise mit durchschnittlichen Erlösen von 120 Mark pro Kunde. Bis dahin werde in Deutschland zu 100 Prozent mit dem neuen Mobilfunkstandard UMTS gearbeitet. In Frankreich und Italien hatte die Telekom darauf verzichtet, sich um eine UMTS-Lizenz zu bemühen. "Der Verzicht auf eine Bewerbung bedeutet jedoch nicht, dass wir uns auf den Märkten keine Chance ausrechnen", sagte Sommer. Wenn sich andere Möglichkeiten zum Markteinstieg böten, werde die Telekom diese auch nutzen.

Für das Online-Geschäft kündigte Sommer an, aus dem Internetdienst T-Online mehr und mehr einen Inhalteanbieter zu machen. Man werde T-Online zum Verlagshaus im Telekom-Konzern machen. Die Portale - wie etwa T-Info, T-Motion und T-Vision - sollen dabei mit Partnern entstehen oder weiter ausgebaut werden. Nicht bei allen Portalen werde die Telekom mehrheitlich beteiligt sein.

Kritik übte Sommer erneut an der Regulierungspolitik in Deutschland. Sie benachteilige die Telekom gegenüber anderen international tätigen Unternehmen wie etwa British Telecom oder France Télécom, da diese in Deutschland von der Telekom Leistungen zu niedrigen Preisen beziehen könnten, die sie in ihren Heimatländern gar nicht anbieten. "Ich schätze, dass das Belastungspotenzial, das durch die gegenwärtige Regulierungspraxis auf der T-Aktie liegt, deutlich mehr als 20 Prozent ausmacht", sagte er. Die Regulierung müsse zurückgefahren werden. Er begrüße es, "dass der politische Willensbildungsprozess in diesem Sinne in Gang gekommen zu sein scheint."

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