Wirtschaft : Deutsche Telekom: Ron Sommers Zumutungen

Henrik Mortsiefer

T-Aktionäre sind wirklich nicht zu beneiden. Selbst die Mehrheit der Analysten, die es eigentlich besser wissen müssten, istinzwischen ins Lager der Unentschlossenen gewechselt. Im Schnitt empfehlen drei Dutzend der regelmäßig befragten Experten, die Aktie der Deutschen Telekom zu halten. Übersetzt heißt das: Wer sie hat, soll Verluste aussitzen. Wer sie nicht hat, kann sich beruhigt anderen, rentierlicheren Geldanlagen zuwenden. Das Ergebnis ist große Ratlosigkeit. Daran ändern auch die Zahlen nichts, die Ron Sommer am Dienstag präsentierte. Schlimmer noch: Die Börse gab der seit sieben Monaten stürzenden T-Aktie - Kursverlust: 60 Prozent - abermals einen Tritt. Enttäuscht wurde zur Kenntnis genommen, dass sich hinter der polierten Neun-Monats-Bilanz ein eingebrochener Gewinn, Schulden in Milliardenhöhe und dürftige Ertragsaussichten verbergen.

Auch Ron Sommer ist nicht zu beneiden. Dem Telekom-Chef wird jetzt vorgehalten, was die Börse lange gefordert hat: Strategische Zukäufe auf wichtigen Telekommunikationsmärkten. Richtig ist, dass ohne die erstmals konsolidierten One-2-One, Club Internet und Siris der Umsatz weniger stark gewachsen wäre. Richtig ist aber auch, dass die Telekom mit diesen Einkäufen international ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert hat. Gleiches gilt für die Vorleistungen im Mobilfunk, die die Schulden bedenklich in die Höhe treiben, der Telekom aber eine gute Ausgangsposition auf einem noch jungen Markt sichern. Es bleibt freilich ein riskanter Kurs, den Sommer einschlägt. Er mutet seinen nervös gewordenen Aktionären und Mitarbeitern zu, an eine Zukunft zu glauben, in der Deutschlands größter Telefonkonzern eine Schlüsselrolle im globalen Kommunikationsgeschäft einnimmt. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der Fantasie an der Börse nichts mehr wert ist.

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