Deutsche Telekom : Russische Beteiligung soll abgewehrt werden

Gegen einen Einstieg des russischen Mischkonzerns Sistema bei der Telekom mehren sich die Bedenken. Während der Konzern bereits an einer Abwehrstrategie arbeitet, schließt Finanzminister Steinbrück eine Beteiligung aus.

Berlin - Der Bundesnachrichtendienst (BND) befürchtet einem Zeitungsbericht zufolge massive Sicherheitsprobleme, sollte der russische Mischkonzern Sistema in großem Stil bei der Deutschen Telekom einsteigen. Der BND habe "erhebliche Bedenken" gegen den Verkauf eines größeren Aktienpakets der Telekom an den Konzern von Milliardär Wladimir Jewtuschenkow, berichtete der "Tagesspiegel" unter Berufung auf Wirtschaftskreise und Sicherheitsexperten. Jewtuschenko hatte Interesse an der Telekom signalisiert, Medienberichten zufolge will er bis zu 25 Prozent erwerben. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, ein Sistema-Einstieg stehe "nicht zur Debatte".

"Wir sehen die Gefahr, dass Unbefugte in die Telekommunikation zwischen Behörden, zwischen Wirtschaftsunternehmen und zwischen Privatpersonen eindringen", zitierte der "Tagesspiegel" einen Sicherheitsexperten. Wer mit "Unbefugte" gemeint sei, lasse sich bei den Verfassungsschutzbehörden nachlesen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz schrieb im Jahresbericht 2005, obwohl sich das politische Verhältnis zwischen Russland und der Bundesrepublik "positiv entwickelt, halten die Aufklärungsaktivitäten der russischen Nachrichtendienste mit Zielrichtung Deutschland unvermindert an". So zielten die Beschaffungsaktivitäten etwa auf Informations-, Mikro- und Kommunikationstechnik sowie technische Neuentwicklungen aller Art.

Ein Sicherheitsexperte in der deutschen Wirtschaft sagte, die Grenzen zwischen Geheimdienstarbeit und Spionage von Firmenangehörigen seien fließend, gerade bei russischen Unternehmen. Zudem sei der Schutz von Unternehmen in der globalisierten Wirtschaft grundsätzlich schwierig. "Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man eigene Unternehmen nur sehr schwer schützen kann, wenn man selbst Firmen im Ausland übernimmt." Dann bestehe die Gefahr, "dass Partner reinkommen, die nicht willkommen sind". Jedoch müsse auch unterschieden werden, ob ein Unternehmen nur wenige Anteile erwerbe oder tatsächlich massiv einsteige und dann im Aufsichtsrat sitze, sagte der Sicherheitsexperte weiter.

Ron Sommer ist Berater bei Sistema

Jewtuschenkow gilt als Konzernlenker mit exzellenten Verbindungen zum Kreml. Der Oligarch ist mit der Schwester der Ehefrau des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow verheiratet. Luschkow ist eines der mächtigsten Mitglieder der Partei Einiges Russland, die Präsident Wladimir Putin unterstützt. Über einen Einstieg von Jewtuschenko bei der Telekom wird seit mehreren Wochen spekuliert. Der Konzernchef hatte vor kurzem offiziell sein Interesse bekundet. Die Deutsche Telekom arbeitet Medienberichten zufolge bereits an einer Abwehrstrategie. Zu Sistema gehören MST, mit 58,2 Millionen Kunden größter Mobilfunkanbieter Russlands, sowie die Festnetzbetreiber Comstar und MGTS. Beraten wird Sistema vom ehemaligen Telekom-Chef Ron Sommer.

Steinbrück sagte dem "Spiegel", ein Einstieg von Sistema bei der Telekom stehe "überhaupt nicht zur Debatte". Vor Monaten sei über mögliche Strategien gesprochen worden. Das Gespräch sei aber "ergebnislos" geblieben und nicht fortgesetzt worden. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte in Berlin, er könne keine Rolle des BND in dem Zusammenhang erkennen. (tso/AFP)

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