Wirtschaft : Deutsche Telekom: Telekom-Aktien bieten Anlegern wenig

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Die angekündigte Dividendenkürzung bei der Deutschen Telekom hat zumindest die privaten Anleger aufgeschreckt. Lange Zeit mit Vorschusslorbeeren überschüttet, sind die Telekommunikationsunternehmen ins Gerede gekommen.

Die überwiegende Zahl der Analysten ist sich einig. Telekom-Aktien sind etwas für mittel- bis langfristig orientierte Anleger. Die Gründe, die genannt werden, sind schnell aufgezählt. Vor allem die Enttäuschung beim künftigen Mobilfunk UMTS, hohe Schuldenstände bei den meisten europäischen Gesellschaften und nicht erfüllte Wachstumshoffnungen.

Die für insgesamt 120 Milliarden Euro ersteigerten oder gekauften UMTS-Lizenzen, werfen immer noch keine Rendite ab. "Die Aktienkurse basierten bislang auf der Hoffnung, dass die Branche in drei bis fünf Jahren richtig viel Geld verdient", sagte kürzlich Telekomanalyst Roger Richards vom US-Haus Prudential Securities, "doch daran zweifeln immer mehr Anleger". Und Richards geht noch weiter: "Für Investoren geht es nicht nur darum, ob UMTS irgendwann das erhoffte Wachstum bringt, sondern es muss profitables Wachstum sein".

Doch die bereits getätigten Ausgaben für UMTS haben Spuren in den Bilanzen der Telekommunikationsunternehmen hinterlassen. "Besonders hoch verschuldete Unternehmen wie Deutsche Telekom und France Télécom geraten dadurch unter Druck", sagte ein Telekomanalyst einer Londoner Investmentbank. Auch Petra Heist, Analystin bei der Bayerischen Hypo-Vereinsbank gibt sich zurückhaltend. Die Einstufung der Telekomaktien durch das bayerische Institut läßt nur wenig Hoffnung aufkommen. "Underperform" im Vergleich zur Entwicklung des Euro Stoxx 50 für France Télécom, "Neutral" für Telecom Italia und die Mobilfunktochter TIM. Während sich die Spanier stärker auf das Wachstum im Ausland konzentrieren, und speziell in Lateinamerika expandieren, begnügen sich die Italiener zunächst mit dem heimischen Markt. Dies bedeutet jedoch auch, bei der Telefónica sind Chancen und Risiken größer. Bei der France Télécom könnten Milliardenrisiken lauern, gibt Heist zu bedenken. Immerhin gibt es ein der Öffentlichkeit nicht im Detail bekanntes Papier über die zumindest teilweise Übernahme von finanziellen Verbindlichkeiten von Mobilcom durch die France Télécom. Auch Hans Jacob, Leiter des Research beim Berliner Privatbankhaus Löbbecke, rät dazu, die Finger von den Telekommunikationswerten zu lassen. "Schon seit langem haben wird diesen Bereich stark untergewichtet", sagt er. Die Margen der Konzerne stünden, wegen des scharfen Wettbewerbs, weiterhin unter Druck. Wenig hält Jacob von der Aktie der Deutschen Telekom. Viele Versprechungen seinen nicht eingehalten worden.

Auch Hans Huff, Telekom-Analyst der Bankgesellschaft Berlin, äußert sich zurückhaltend. "Aus Sicht der Kleinanleger ist das Image der Volksaktie nun endgültig ramponiert." Dennoch stuft er die Aktie der Deutschen Telekom zusammen mit France Télécom innerhalb der Branche noch am positivsten ein. Bei den Franzosen sieht er die Lage ähnlich wie bei den Deutschen. Belastend wirkten die hohe Verschuldung und die hohen Goodwill-Abschreibungen beispielsweise für Mobilcom. Bei Telefónica werde das Risiko erst in ein paar Jahren deutlich sichtbar werden. Zwar hätten die Spanier ihre UMTS-Investitionen gestoppt, doch nahezu keine Kunden in Deutschland und Italien, auf denen sie später das UMTS-Geschäft aufbauen könnten. Bei der niederländischen KPN könnte etwas Ruhe einkehren. Immerhin hätten sie die Abschreibungen für E-Plus hinter sich und alle Kapitalmaßnahmen an der Börse abgeschlossen. Fazit: Man muss als Anleger auf den Erfolg von UMTS setzen. Deshalb ist eine Investition in europäische Telekom-Titel langfristig zu sehen.

Heiko Ferber vom Research der Hamburger Berenberg-Bank sieht einen Einstieg bei France Télécom kritisch. Neben den hohen Schulden drückten der Abschreibungsbedarf bei Mobilcom und dem britischen Kabelnetzbetreiber NTL. Er rechnet deshalb mit einem Verlust der Franzosen von rund elf Milliarden Euro Milliarden Euro. ünstiger schätzt er die Lage bei KPN ein. Die Kapitalerhöhung sei erfolgreich gewesen, dadurch werde der Abschreibungsbedarf bei E-Plus gedeckt, und E-Plus könnte sogar noch verkauft werden.

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