Wirtschaft : Deutsche Telekom will keinen Schadenersatz zahlen

BERLIN (vis). Die Deutsche Telekom hat nach Überzeugung eines römischen Gerichts Vereinbarungen mit der France Télécom und dem italienischen Stromkonzern Enel gebrochen. Mit ihrem Angebot zur Übernahme der Telecom Italia habe die Deutsche Telekom ihre Absprachen mit den beiden Partnern nicht eingehalten, urteilte das Gericht am Montag in Rom. So melden es italienische Zeitungen. Geklagt hatten die France Télécom und Enel, die zusammen mit der Deutschen Telekom in Italien die Telefongesellschaft Wind betreiben. Enel hält 51 Prozent der Wind-Anteile, France Télécom und Deutsche Telekom je 24,5 Prozent. Die Deutsche Telekom habe Vereinbarungen gebrochen, indem sie sich mit dem Versuch der Übernahme der Telecom Italia in einem Bereich engagiert habe, der mit Wind in Konkurrenz gestanden hätte, erklärte das Gericht zur Begründung.

Bei der Telekom wurde die Entscheidung des Gerichts jedoch positiv aufgenommen. "Das Gericht hat alle drei Anträge von France Télécom und Enel zurückgewiesen", sagte Telekom-Pressesprecher Hans Ehnert. Mehr sei noch nicht bekannt, die Gerichtsentscheidung müsse noch geprüft werden. In ihren Anträgen hätten die Partner zum einen gefordert, daß die Deutsche Telekom die Verhandlungen mit Telecom Italia abbrechen solle. Das hat sich bereits erledigt. Die Telekom war bei ihren Bemühungen um eine Übernahme der Telecom Italia nicht zum Zuge gekommen, weil sich die Aktionäre der italienischen Gesellschaft mehrheitlich für ein Zusammengehen mit dem italienischen Elektronikkonzern Olivetti ausgesprochen hatten.

Im zweiten Antrag sei es um eine Satzungsänderung über die Mehrheitsenscheidungen im Gemeinschaftsunternehmen gegangen, sagte Ehnert weiter. Auch der dritte Antrag, die Vertreter der Deutschen Telekom aus dem Verwaltungsrat auszuschliessen, sei abgewiesen worden. "Das Gericht ist damit unserer Linie gefolgt", sagte Ehnert. Besonders wichtig für die Deutsche Telekom: Sie kann ihre zwei Vertreter im Verwaltungsrat auf die am Donnerstag stattfindende Hauptversammlung von Wind schicken. "Wir sind froh, daß wir dort vertreten sein werden und nicht nur Zaungäste sind", sagte Ehnert. Man wolle sich bemühen, die Wogen zu glätten und nicht mehr nur über die Gerichte sondern direkt miteinander zu sprechen. Die Telekom wünscht sich dabei "mehr Professionalität und weniger Emotionen in den Gesprächen". Nachdem bekannt geworden war, daß die Telekom mit Telecom Italia verhandelte seien die deutschen Mitarbeiter bei Wind einfach vor die Tür gesetzt worden. Zu der Frage, ob die Telekom weiter an ihrem Engagement bei Wind festhalte sagte Ehnert, man müsse zunächst das Ergebnis der Gespräche abwarten.

Die italienische Zeitung "Il sole 24 Ore" berichtete, daß nun der Weg frei sei, für die Schadenersatzforderungen von Enel und France Télékom. Die Forderung an die Deutsche Telekom liege zwischen rund 1,5 und zwei Mrd. DM. schreibt die Zeitung. Wind-Chef Tommaso Pompei hatte sich vor einigen Tagen geweigert, die Höhe der Schadenersatzforderung genau zu beziffern. Ehnert sagte dazu: "Schadenersatz war nicht Thema der Verhandlung." Es habe zwar eine Anhörung gegeben, aber keine Entscheidung.

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