Wirtschaft : Deutsche Vioxx-Kläger sind bereit Berliner Anwalt forciert die ersten von 772 Fällen

Moritz Döbler

Berlin - Die Verurteilung des US-Pharmakonzerns Merck&Co zur Zahlung von mehr als 250 Millionen Dollar an die Witwe eines Vioxx-Patienten wird Klagen aus Deutschland nach sich ziehen. Der Berliner Anwalt Andreas Schulz sagte dem Tagesspiegel, die ersten drei deutschen Fälle würden in den nächsten Wochen beim zuständigen Gericht im US-Bundesstaat New Jersey eingereicht. Einer davon ist der eines 15-jährigen Mädchens, das an den Folgen der Vioxx-Einnahme gestorben sein soll. Die Vioxx- Mandantendatei von Schulz umfasst 772 Fälle, von denen sich 87 besonders für Einzelverfahren eignen. Jeder sechste Mandant kommt aus dem Raum Berlin.

Im ersten Prozess um das Arthritis- Schmerzmittel gab ein US-Geschworenengericht Merck Mitschuld am Tod eines 59-jährigen Texaners. Der Konzern, der sich mit 4200 Klagen konfrontiert sieht, kündigte Berufung an. Analysten zufolge könnte der Rechtsstreit den Konzern Milliarden kosten und auf Jahre beschäftigen. Merck-Aktien verloren am Freitag knapp acht Prozent.

Das Unternehmen hatte das Mittel 1999 auf den Markt gebracht und im September 2004 zurückgezogen, als es noch von rund 20 Millionen Menschen eingenommen wurde. Im Jahr 2003 setzte Merck mit dem Schmerzmittel mehr als 2,5 Milliarden Dollar um, was zehn Prozent seines Umsatzes ausmachte.

Die zwölf Geschworenen im texanischen Angleton sprachen der Witwe Schadenersatz von 24 Millionen Dollar für den Verlust ihres Mannes und den seelischen Schmerz sowie 229 Millionen Dollar Strafzuschlag zu. Dass diese Summe Bestand hat, gilt als unwahrscheinlich. Der Strafzuschlag werde auf weniger als zwei Millionen Dollar reduziert werden, sagte ein Merck-Anwalt.

Schulz wies daraufhin, dass in dem texanischen Fall keine eindeutige Kausalität zwischen Vioxx und dem Tod des Mannes belegt worden sei. „In Deutschland wäre man damit wahrscheinlich auf die Schnauze gefallen.“ Ziel sei es nun, auch mit Hilfe deutscher Krankenversicherer „Spitzenfälle“ vor Gericht zu bringen, um am Ende einen Vergleich zu schließen. „Ich rechne nicht damit, dass bald die Schecks verteilt werden. Das wird noch dauern.“

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