Wirtschaft : Deutsche Windkraft wächst nur im Ausland

Das Geschäft im Inland geht zurück – dafür läuft der Export auf Hochtouren

Bernd Hops

Berlin - Die deutsche Windkraftindustrie warnt davor, dass bürokratische Hürden und Änderungen bei der Förderung das Erreichen der Klimaziele der Bundesregierung gefährden könnten. Nach einer Studie des Deutschen Windenergie–Instituts (Dewi), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, sind im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich weniger neue Anlagen hierzulande aufgestellt worden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr sei mit einem Minus von 20 bis 25 Prozent zu rechnen, sagte Hermann Albers, Präsident des Branchenverbands BWE. Dafür entwickele sich das Auslandsgeschäft gut. Der Weltmarkt, auf dem die hiesigen Hersteller die Spitzenposition einnehmen, werde voraussichtlich von gut 15 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf 19 bis 20 Milliarden Euro in diesem Jahr wachsen.

Im vergangenen Jahr hatte die Wertschöpfung der heimischen Windindustrie ein Plus von 40 Prozent auf insgesamt 5,6 Milliarden Euro verzeichnet. Damit hatten die deutschen Unternehmen einen Anteil von 36,6 Prozent am weltweiten Umsatz. Wegen das schwächer werdenden Inlandsmarkts lag die Exportquote bei 74 Prozent und könnte 2009 sogar auf 90 Prozent steigen. Verbandspräsident Albers warnte, dass man, um Anlagen erfolgreich im Ausland verkaufen zu können, sie auch im Inland im Einsatz haben müsse. Gerade bei den neueren Anlagen, die deutlich effizienter, aber auch wesentlich größer als die älteren Modelle sind, gebe es große Probleme bei der Genehmigung durch die Behörden.

Dabei hat sich die Windbranche in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Nach Verbandsangaben beschäftigen allein die Hersteller und Zulieferer in Deutschland rund 28 000 Menschen – ein Plus von fast 10 000 seit 2004. Zählt man weitere Leistungen wie Zulieferer, Installations-, Service- und Betriebsfirmen dazu, dann geht es heute sogar schon um 73 800 Menschen. Deutschland ist nach wie vor globaler Spitzenreiter bei der Gesamtleistung der aufgebauten Windkraftanlagen. Mit den Zuwächsen des ersten Halbjahres sind es fast 21 300 Megawatt. Das Land Sachsen-Anhalt zum Beispiel kann laut Dewi mit seinen Windkraftanlagen mehr als 36 Prozent des Strombedarfs decken, das wesentlich stärker industrialisierte Niedersachsen kommt immer noch auf gut 19 Prozent.

Allerdings holen andere Staaten bei der Windkraft auf. Nach Deutschland folgen die USA, Spanien, Indien und China. Und Firmen wie der US-Technologiekonzern GE, der sich über einen deutschen Hersteller in die Branche eingekauft hat, hat dieses Jahr nur eine neue Anlage in Deutschland aufgebaut – und konzentriert sich lieber auf den amerikanischen Markt. „Es gibt einen Run auf Anlagen“, sagte Thorsten Herdan, Geschäftsführer Energiebereich beim Maschinenbauerverband VDMA. Die Anlagen würden am lukrativsten Standort aufgestellt – und das sei zurzeit nicht Deutschland. Dabei brauche man eine Dynamik bei der Installation neuer Windkraftanlagen, sagte BWE-Präsident Albers. Um die gesetzten Klimaziele zu erreichen, müssten bis zum Jahr 2020 im Schnitt jedes Jahr fast 4000 Megawatt installiert werden. Das Ziel wird nach Branchenschätzungen in diesem Jahr noch nicht einmal zur Hälfte erfüllt werden. Bernd Hops

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