Wirtschaft : Deutsche Wirtschaft erholt sich nur langsam

Nur 0,2 Prozent Wachstum im ersten Quartal/Dienstleister und Handel stabilisieren sich / Euro unter 1,20 Dollar

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Berlin (brö). Die deutsche Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres kaum gewachsen. Von Januar bis Ende März dürfte das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zugelegt haben, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Konjunktur sei noch „kraftlos“. Allerdings gebe es allmählich Impulse aus der Binnenwirtschaft. Auch im Dienstleistungssektor bessert sich die Stimmung, ergab eine Umfrage. Positive Signale gehen auch vom EuroWechselkurs aus: Zum ersten Mal seit vier Monaten sank die Währung unter die Marke von 1,20 Dollar.

Das DIW-Konjunkturbarometer zeige für die ersten Monate des Jahres „noch keine Trendwende an“, erklärte das Institut. Eine durchgreifende Belebung sei ausgeblieben. Damit ist weiter unklar, ob die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,5 bis zwei Prozent wachsen wird, wie es die Regierung annimmt. In den vergangenen Wochen hatten Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima oder der ZEW-Konjunkturindex darauf hingedeutet, dass die Erholung schwächer ausfallen könnte. Forscher hatten daraufhin ihre Wachstumsprognosen für 2004 um einige Prozentpunkte nach unten korrigiert.

Eine leichte Belebung ist laut DIW gleichwohl festzustellen. In der Binnenwirtschaft gebe es besonders im Investitionsgüterbereich eine „spürbare Aufwärtstendenz“. Auch im Handel deute sich nach drei Jahren der Talfahrt eine Stabilisierung an, und im Dienstleistungsbereich „dürfte die Wertschöpfung leicht aufwärts tendieren“. Bislang hatte allein die Exportwirtschaft dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft unter dem Strich bislang nicht geschrumpft ist.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bestätigte aber die Tendenz zu einer Besserung. Bei einer Umfrage unter 9500 Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche überwogen zum ersten Mal seit zwei Jahren die positiven Antworten. Allerdings planen die Firmen noch keine umfassenden Neueinstellungen. Auch bei den Investitionen halten sie sich weiter zurück.

Der Umfrage zufolge erwarten 35 von hundert Unternehmern für 2004 bessere Geschäfte als im Vorjahr. „Der Anteil der Optimisten ist sogar höher als im Aufschwungjahr 2000“, erklärte der DIHK. Die Stimmung unter den Dienstleistern ist den Angaben zufolge fast schon so positiv wie die in der Industrie und klar besser als die im Handel und am Bau. Dennoch ist der Anteil der Dienstleistungsfirmen, die ihre Investitionen zurückfahren wollen, immer noch höher als der der Betriebe, die ein Aufstockung ankündigten.

Michael Hüther, Chefvolkswirt der Deka-Bank in Frankfurt (Main), sagte, von einem Aufschwung könne man in diesem Jahr nicht mehr sprechen. „Selbst ein Wachstum von anderthalb Prozent ist ein ganz schlechter Wert, weil es 2004 mehr Arbeitstage gibt als 2003“, sagte er. Eine durchgreifende Besserung sei auch im kommenden Jahr nicht zu erwarten. „Es ist weder richtig hell noch richtig dunkel“, konstatierte er.

Signale für eine Entlastung gab es von den Devisenmärkten. Der Euro sank zum ersten Mal seit vier Monaten am Dienstag unter die Marke von 1,20 Dollar. Bis zum Abend konnte die Gemeinschaftswährung zwar wieder leicht zulegen, lag aber mit 1,1947 Dollar noch 1,05 Prozent im Minus. Ein fallender Wechselkurs stärkt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exportfirmen. Eine Ursache war der Anstieg der Einzelhandelsumsätze in den USA. Dies signalisiert eine weiter solide Erholung der amerikanischen Wirtschaft.

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