Wirtschaft : Deutsche Wirtschaft kommt vom Fleck

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Berlin (brö/ce/asi). Die deutsche Wirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent zu. Ende 2001 hatte es noch ein Minus von 0,3 Prozent gegeben, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Ökonomen und Verbände sind jedoch skeptisch, ob nun ein kräftiger Aufschwung beginnt.

Getragen wurde die Erholung von den Exporten, die von der besseren weltwirtschaftlichen Lage profitierten. Die Ausfuhren legten im ersten Quartal um 1,9 Prozent zu, auch die Bauinvestitionen verzeichneten ein Plus von 0,5 Prozent. Dagegen blieb der private Konsum schwach – er sank um 0,3 Prozent, die Ausrüstungsinvestitionen der Firmen gingen sogar um 2,7 Prozent zurück.

Im dritten und vierten Quartal des vergangenen Jahres war die deutsche Wirtschaft noch geschrumpft. Auch im Vergleich mit dem gleichen Quartal 2001 sank die deutsche Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent. Kalenderbereinigt lag das Minus allerdings nur bei 0,2 Prozent, da es zwei Arbeitstage weniger gegeben hatte. Den Trend der Konjunkturentwicklung zeigt jedoch der Vergleich mit dem Vorquartal zuverlässiger an.

Auch in den Vereinigten Staaten gab es positive Konjunkturdaten. Für langlebige Güter bekamen die Unternehmen mehr Aufträge als erwartet. Zudem signalisierte die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosengeld eine leichte Entspannung auf dem Jobmarkt.

Die Bundesregierung erklärte, der Zuwachs des BIP zeige, dass die deutsche Wirtschaft am Beginn eines Aufschwungs stehe. „Dies sind die ersten Indizien dafür, dass die erwartete Erholung eingesetzt hat“, erklärte das Bundesfinanzministerium. Die Konjunktur werde im Jahresverlauf deutlich an Fahrt gewinnen. Die Wachstumsprognose der Regierung liegt mit 0,75 Prozent für das Gesamtjahr etwas unter der Vorhersage der Wirtschaftsinstitute von 0,9 Prozent.

Wirtschaftsexperten äußerten sich besorgt über den schwachen Konsum. „Die Binnennachfrage ist noch dürftig, weil die Bürger wegen der Euro-Bargeldumstellung verunsichert sind und ihr Geld wegen der unsicheren Lage auf dem Arbeitsmarkt zusammen halten“, sagte Horst Siebert, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Auch das Investitionsklima werde sich vorerst nicht bessern. „Die teure Lohnrunde in der Metallindustrie wird nicht dazu führen, dass die Unternehmen die Ärmel hochkrempeln und investieren. Die Lohnkosten dämpfen die Investitionsfreude deutlich“, fürchtet er.

Auch Verbände äußerten sich skeptisch. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sieht den Tiefpunkt überwunden, warnte aber vor zu viel Optimismus: „Wir sehnen den Aufschwung mehr herbei, als dass wir ihn erkennen können“, sagte Hundt. Deutschland werde in der EU-Wachstumstabelle weiter auf dem Abstiegsplatz stehen. Industriepräsident Michael Rogowski war zurückhaltend. „Es wird keinen Boom geben“, sagte er, allenfalls einen „verhaltenen Aufschwung“. Er hoffe, dass in den kommenden Monaten nicht nur die Warenbestände aufgefüllt würden, sondern die Investitionstätigkeit in den Unternehmen anspringe. Gefährdet sei die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie wegen der hohen Lohnabschlüsse.

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