Wirtschaft : Deutsche Wirtschaft kühlt ab

Berlin - Die deutsche Wirtschaft muss sich auf ein konjunkturell abgekühltes Winterhalbjahr einstellen. Zu dieser Einschätzung kommen die Bundesregierung und Ökonomen in aktuellen Ausblicken auf die kommenden Monate. Nach dem schwachen Konjunktursommer wird die Wirtschaft nach einer Prognose des IWH-Instituts Ende 2012 und Anfang 2013 nur stagnieren, teilten die Hallenser Forscher am Donnerstag mit. Sie senkten ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,3 auf 0,9 Prozent. Die Schätzung für 2013 kappten sie noch deutlicher von 2,2 auf 0,8 Prozent.

Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) senkte wegen der schwachen weltweiten Nachfrage und ausbleibender Investitionen im Zuge der Eurokrise seinen Konjunkturausblick für Deutschland leicht. Für das laufende Jahr erwarten die IfW-Ökonomen nun ein Wachstum von 0,8 statt 0,9 Prozent, wie aus der am Donnerstag vorgelegten Konjunkturprognose des IfW hervorgeht. Die Prognose für 2013 nahmen die IfW-Experten deutlicher zurück. Sie rechnen jetzt für das kommende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 statt 1,7 Prozent. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hatte bereits am Mittwoch seine Konjunkturprognose für Deutschland deutlich gesenkt – von 1,1 auf 0,8 Prozent.

Die Konjunkturabschwächung trifft Deutschland aber nicht allein, sondern sie wird in den meisten Volkswirtschaften in den kommenden Monaten anhalten. Darauf weisen die am Donnerstag in Paris veröffentlichten Frühindikatoren der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hin. Der führende Indikator für die Wirtschaftskraft der 34 OECD-Staaten ging im Juli von 100,3 leicht auf 100,2 zurück.

Dabei werde sich der Abschwung besonders deutlich in Italien, China, Indien und Russland zeigen, schreibt die OECD. Für die Eurozone wiesen die Indikatoren für Frankreich und Deutschland auf ein anhaltend schwaches Wachstum hin, betont die OECD. Japan und die USA dürften dagegen ein etwas stärkeres Wachstum aufweisen als der Trend.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) rechnet ebenfalls mit einer Abschwächung des Wachstums in Deutschland. „Die wirtschaftliche Entwicklung wird schwieriger werden“, sagte Rösler am Donnerstag in der Bundestagsdebatte über den Haushalt seines Ministeriums. Die Dynamik wichtiger Exportmärkte nehme ab. Dies werde an Deutschland nicht vorbeigehen. „Deswegen erwarten wir eine gedämpfte Konjunktur – auch für das nächste Jahr.“ dapd/dpa

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