Deutsche Wirtschaft schafft nur Mini-Wachstum : Haarscharf an der Rezession vorbei

Die deutsche Wirtschaft wuchs im dritten Quartal nur minimal. Damit schrammt Europas größte Volkswirtschaft an einer Rezession vorbei. Deutlich rasanter entwickelte sich die Konjunktur in den Euro-Krisenländern.

Das Bundesamt legt Konjunkturzahlen vor.
Stagnation oder Mini-Wachstum? Das Bundesamt legt Konjunkturzahlen vor.Foto: dpa

Deutschland fällt vorerst als Konjunkturmotor aus. Im dritten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt nur um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Damit schrammt Europas größte Volkswirtschaft an einer Rezession vorbei.

Deutlich rasanter entwickelte sich die Konjunktur in den Euro-Krisenländern. So sorgte Frankreich mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,3 Prozent für eine positive Überraschung. Verantwortlich sind dafür aber vor allem hohe Ausgaben der Regierung. Auch Griechenland lieferte einen Lichtblick: Von Juli bis August stieg das BIP um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die sechs Jahre andauernde Phase mit starken Konjunktureinbrüchen dürfte überwunden sein. Während auch Spanien mit einem BIP-Plus von 0,5 Prozent auf Kurs bleibt, steckt Italien weiter in der Rezession. Die italienische Wirtschaft war zuletzt in der ersten Hälfte des Jahres 2011 nennenswert gewachsen.

Kauflust der Verbraucher hat Wirtschaft vor Rezession bewahrt

„Insgesamt zeigen die Daten, dass die Sorgen vor einem kurzfristig stärkeren Konjunktureinbruch im Euro-Raum übertrieben waren“, sagte Johannes Mayr von der BayernLB. Denn im dritten Quartal kam die Wirtschaft in der Euro-Zone etwas stärker in Schwung als erwartet: Das BIP legte im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent zu, wie das Europäische Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte. Rezessionsängste dürften so erst einmal zerstreut sein. Aber: „Die Euro-Wirtschaft wird sich auch in den kommenden Quartalen nur quälend langsam erholen“, sagte Christoph Weil von der Commerzbank.

Das liegt auch an der aktuellen Schwäche Deutschlands. Nur die Kauflust der Verbraucher hat die hiesige Wirtschaft vor der Rezession bewahrt: Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung nach korrigierten Zahlen um 0,1 Prozent gesunken. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Volkswirte von einer leichten Rezession.

Positive Impulse kamen zuletzt von den Privathaushalten: Wegen der extrem niedrigen Zinsen geben die Menschen ihr Geld lieber aus, als es auf die hohe Kante zu legen. Auch der Außenhandel schob die Konjunktur wieder an. Ein Grund dafür dürfte auch der zum Dollar schwächere Euro sein, der deutsche Produkte auf den Weltmärkten billiger macht. (dpa)

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