Wirtschaft : Deutsche Wirtschaft überwindet Durststrecke

DIW erwartet anziehendes Wachstum im dritten Quartal auf 0,5 Prozent / Euro-Kurs steigt wieder

Carsten Brönstrup

Berlin - Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird sich in den kommenden Monaten wieder beschleunigen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzte am Mittwoch den Zuwachs im dritten Quartal auf 0,5 Prozent im Vergleich zu den drei Monaten zuvor. Auch andere Ökonomen sind davon überzeugt, dass es der Wirtschaft nach einer Durststrecke im Frühjahr wieder besser geht – auch dank der Dynamik in den Vereinigten Staaten.

Im zweiten Quartal, also dem Zeitraum zwischen April und Ende Juni, ist die Summe aller neuen Güter und Dienstleistungen nach DIW-Berechnungen um 0,2 Prozent angestiegen. Vor einigen Wochen hatte es noch Befürchtungen gegeben, die Wirtschaftsleistung sei wegen des hohen Ölpreises geschrumpft. Offenbar haben die teuren Rohstoffe die deutsche Wirtschaft aber weniger gebremst als angenommen. Daneben führte das DIW bessere Geschäfte und eine starke Produktion in der Baubranche an. Das Statistische Bundesamt will am Donnerstag eine erste Schätzung zur Konjunkturlage im zweiten Quartal herausgeben.

Ihren Optimismus für das derzeit laufende dritte Quartal begründen die DIW-Forscher mit einer besseren Stimmung in den Unternehmen, einer besseren Auftragslage, der zuletzt gestiegenen Industrieproduktion und dem immer noch gut laufenden Export. Für einen stärkeren Aufschwung und höhere Investitionen spricht nach Ansicht der Volkswirte von der Dresdner Bank zudem die steigende Kreditnachfrage der Wirtschaft. „Alles spricht dafür, dass es zum Jahresende hin wieder stärker bergauf geht“, sagte Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, dem Tagesspiegel. „Dafür spricht auch die gute Lage in den USA und die behutsame Geldpolitik der Notenbank.“ Die Federal Reserve hatte am Dienstagabend die Leitzinsen erneut auf 3,5 Prozent erhöht – zum zehnten Mal in Folge seit dem vergangenen Jahr. „Trotz dieser Schritte sind die langfristigen Zinsen aber noch nicht gestiegen – somit wird die Konjunktur auch noch nicht abgebremst“, analysierte Traud. Das komme dem deutschen Export zugute – immerhin gehen rund neun Prozent der deutschen Ausfuhr in die Vereinigten Staaten. Auch wahrscheinlichen weiteren Zinserhöhungen könne Deutschland noch gelassen entgegensehen. Ein gewisses Risiko besteht allerdings in der Entwicklung des Euro-Wechselkurses zum Dollar, sagte Thomas Amend, Wirtschaftsexperte beim Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Die Finanzmärkte und einige Zentralbanken setzen wieder stärker auf den Euro, das könnte in den kommenden Monaten deutlich steigende Kurse bedeuten“, erklärte er. Ein höherer Euro-Kurs könnte den Absatz deutscher Produkte in den USA bremsen. Auf eine erstarkende europäische Währung deute bereits die Reaktion der Märkte auf die US-Zinsentscheidung hin – der Euro stieg wider Erwarten auf bis zu 1,2426 Dollar, das war der höchste Stand seit Ende Mai. Die Fed habe die Sorgen um steigende Inflationsraten und schnell steigende Zinsen gedämpft, das habe dem Euro genutzt, sagte Amend.

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