Wirtschaft : Deutsche Wirtschaft verliert Fahrt

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Berlin - Die Konjunktur in Deutschland hat zum Ende des vergangenen Jahres deutlich an Fahrt verloren. Zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal nur noch, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Die Hoffnung auf den Aufschwung bleibt aber intakt – Umfragen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Wirtschaftsinstituts ZEW deuten darauf hin, dass das Wachstum 2006 deutlich kräftiger ausfallen könnte als im Vorjahr. Der DIHK erhöhte seine Prognose von 1,5 auf 2,0 Prozent.

Vor allem der schwache Konsum bremste die Konjunktur im letzten Vierteljahr, auch der Export schwächte sich ab. Nur die Investitionen der Unternehmen gaben der Wirtschaft noch Impulse. Allerdings habe das Wachstum im Vergleich zum Schlussquartal 2004 bei 1,6 Prozent gelegen. „Das ist kein Grund zur Beunruhigung“, sagte Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Schuld sei vermutlich das schwache Weihnachtsgeschäft. Zudem habe der Außenhandel das Wachstum nicht mehr gestützt. „Wahrscheinlich war der Import ebenso hoch wie der Export – das zeigt, dass die Unternehmen Vorleistungen aus dem Ausland beziehen und für ihre Investitionen verwenden.“

Auch Joachim Scheide, Chefökonom des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), war wenig überrascht. „In einen Abschwung werden wir nun nicht abknicken – allerdings ist das Wachstum derzeit offenbar nicht so stark wie von vielen erhofft“, sagte er dieser Zeitung. Für das erste Quartal 2006 rechnet er aber mit einer starken Gegenbewegung und einem BIP-Wachstum um bis zu 0,6 Prozent.

Auch der DIHK bleibt optimistisch. „Ein reales Wirtschaftswachstum von zwei Prozent ist durchaus drin“, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in Berlin. Wegen der für Anfang 2007 geplanten Anhebung der Mehrwertsteuer und womöglich zu hoher Tarifabschlüsse könne der Aufschwung aber bald vorüber sein, hieß es. Die Erholung werde sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen – der DIHK rechnet mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um rund 200 000. Einen vergleichbaren Rückgang habe es zuletzt im Jahr 2000 gegeben, sagte Wansleben. Am stärksten werde die Zeitarbeitsbranche profitieren.

31 Prozent der 25 000 vom DIHK befragten Unternehmen erklärten, sie rechneten für die kommenden zwölf Monate mit besseren Geschäften, 54 Prozent erwarten eine gleich bleibende Entwicklung und 15 Prozent eine Verschlechterung. Zudem wollen erstmals seit elf Jahren wieder mehr Unternehmen ihre Investitionen im Inland erhöhen (25 Prozent) als reduzieren (22 Prozent).

In einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben sich derweil die Konjunkturerwartungen erstmals seit zwei Monaten wieder leicht eingetrübt. Einer Befragung von mehr als 300 Finanzmarkt-Fachleuten zufolge sank das Stimmungsbarometer um 1,2 auf 69,8 Punkte. Das ZEW wertete die Entwicklung als „Stabilisierung auf hohem Niveau“, bei der sich positive und negative Faktoren in etwa die Waage hielten. Der Indikator liege noch immer weit über seinem historischen Mittelwert von 34,9 Punkten. brö

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