Wirtschaft : Deutsche Wirtschaft wieder zuversichtlicher

DIHT sieht Export weiter als Konjunkturmotor / Trendwende am Arbeitsmarkt nur im Westen BONN(AFP / rtr).Die deutschen Unternehmen erwarten für das kommende Jahr eine weitere Belebung der Konjunktur, die aber erneut vom Export getragen wird.Dies geht aus der am Donnerstag in Bonn vorgestellten Herbstumfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) unter 25 000 Unternehmen hervor.Die "konjunkturelle Durststrecke" sei in diesem Herbst überwunden, für den Arbeitsmarkt gebe es einen "Hoffnungsschimmer", sagte DIHT-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser.Für dieses Jahr sei ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent realistisch, im nächsten Jahr könne es die drei Prozent erreichen.Diese Zahlen decken sich mit den am Mittwoch in Bonn bekanntgegebenen Erwartungen der Bundesregierung.Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute veranschlagen das Wirtschaftswachstum für 1997 auf 2,4 und für 1998 auf 2,8 Prozent. Die Beschäftigungslage bleibt den Angaben zufolge im kommenden Jahr weiter schwierig.Nur wenig Unternehmen mehr als im Vorjahr wollten ihre Mitarbeiterzahl aufstocken.Der Arbeitsmarkt sei flexibler geworden, erklärte Schoser.Die Unternehmen seien eher bereit, Aushilfskräfte befristet einzustellen.Auch Zeitarbeitsfirmen nähmen verstärkt Arbeitskräfte auf.Schoser forderte, auch die Politik müsse flexibler werden.Er erwarte, daß die Regierung die 610-Mark-Jobs in ihrer jetzigen Form nicht abschaffe, aber neue Wege zu flexibler, mobiler Arbeit suche. Die Wirtschaft rechnet der Umfrage zufolge mit einem nochmaligen Anstieg der Exporte.Diese "einseitige Abhängigkeit des Aufschwungs vom Export" bleibe ein Risiko für die Konjunktur, warnte der DIHT.Mit einer Senkung der Steuer- und Abgabenlast und der damit verbundenen Stärkung der Binnenwirtschaft hätte der Aufschwung auf eine breitere Grundlage gestellt werden können.Zudem dürfte damit Ostdeutschland weniger vom Aufschwung profitieren als der Westen, da in der ostdeutschen Industrie das verarbeitende Gewerbe nach wie vor unterrepräsentiert sei. Die Exportsteigerungen können den Erwartungen zufolge in allen wichtigen Weltregionen erzielt werden.Im kommenden Jahr dürften die Staaten Mittel- und Osteuropas weiter an Bedeutung für die deutsche Wirtschaft gewinnen und damit dem asiatisch-pazifischen Raum den Rang ablaufen.Die Wachstumsregionen Asiens blieben für deutsche Unternehmen aber eine Herausforderung, unterstrich Schoser.Die derzeitigen Börsencrashs in Südostasien stellten für die deutsche Exportwirtschaft keine Gefahr dar.Auf die vier Tigerstaaten entfalle in Deutschland ein Exportanteil von nur zwei Prozent.Durch die kräftige Auslandsnachfrage ist nach Ansicht des DIHT die Industrie mittlerweile "deutlich in Fahrt" gekommen.Damit würden zunehmend auch Investitionen nötig.Zugleich sinke der Druck zum Personalabbau.Die Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt werde auch die Konsumneigung stärken und den privaten Verbrauch anregen.Am stärksten wuchs der Optimismus den Angaben zufolge bei den Investitionsgüterherstellern.Dagegen herrsche in der Bauwirtschaft weiterhin Skepsis vor.Nach dem Scheitern der Steuerreform befürchten die Unternehmen der Umfrage zufolge vor allem einen Stillstand der Politik im Wahljahr 1998. Das verbesserte Konjunkturklima ist bereits auf dem Automarkt spürbar.Allerdings ist die Entwicklung auf den Neu- und Gebrauchtwagenmärkten in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich unterschiedlich verlaufen.Durch den Verkauf fabrikneuer PKW sei 1996 ein Gesamtumsatz von 129 Mrd.DM gegenüber 115,7 Mrd.im Vorjahr erzielt worden, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT), Volker Prüfer, am Donnerstag in Hamburg anläßlich der Vorstellung des DAT-Reports über Neu- und Gebrauchtwagenkäufe.Demgegenüber sei der Umsatz auf dem Gebrauchtwagenmarkt nur von 112,5 Mrd.DM in 1995 auf 113,7 Mrd.DM in 1996 gestiegen. Als Ursache für die im Vergleich zu den Vorjahren stark abweichenden Zahlen nannte Prüfer ein deutliches Wachstum von 5,5 Prozent gegenüber 1995 bei den Zulassungen fabrikneuer PKW.Die Gebrauchtwagen-Umschreibungen seien demgegenüber nur um 1,3 Prozent gestiegen.Insgesamt habe es 1996 rund 3,5 (3,3) Mill.Neuzulassungen und 7,58 (7,48) Mill.Umschreibungen gebrauchter PKW gegeben.Für 1997 sei mit konstanten Zahlen bei den Zulassungen fabrikneuer PKW und einem leichten Rückgang bei den Umschreibungen von Gebrauchtwagen zu rechnen.Der Durchschnittspreis für Neuwagen sei von 34 900 DM 1995 auf 36 900 DM im vergangenen Jahr gestiegen.Bei den Gebrauchtwagen blieb der Durchschnittspreis stabil bei rund 15 000 DM.

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