Wirtschaft : Deutschen Banken drohen neue Sammelklagen Anwalt wirft Instituten Geschäfte mit Apartheid-Regime vor

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Zürich (jdh). Der US-Anwalt Ed Fagan will im Auftrag mehrerer Opfer des südafrikanischen Apartheid-Regimes Klagen gegen die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse (CS) einreichen. Ein Dokument, in dem auch die amerikanische Citicorp belastet wird, sollte gestern bei einem Gericht in New York hinterlegt werden. „Zu einem späteren Zeitpunkt müssen auch Banken und Firmen anderer Staaten mit einer Klage rechnen“, sagte Fagan in Zürich. In Deutschland zielt Fagan auf die Deutsche Bank, die Dresdner Bank (Allianz) und die Commerzbank. Fagan und andere Anwälte zwangen die UBS und die CS 1998 zu einer Zahlung von 1,25 Milliarden Dollar wegen Konten von Holocaustopfern. Heute wirft der New Yorker Jurist den Geldhäusern vor, verschiedene Geschäfte mit dem Südafrika des Apartheid-Regimes gemacht zu haben. Dadurch hätte sich das Unrechtsregime über Wasser halten können. Vor allem Kredite, die in die Zeit des Uno-Embargos gegen Südafrika fielen, seien Gegenstand der Klage.

Nach Recherchen verschiedener Organisationen verdienten deutsche Finanzinstitute erhebliche Summen während der Apartheid. „Die Gewinne deutscher Unternehmen und Banken - insbesondere der Dresdner Bank, der Commerzbank und der Deutschen Bank - in der Zeit von 1971 bis 1993 belaufen sich auf 8,4 Milliarden Mark“, schreibt die „Koordination Südliches Afrika“. Norbert Gschwend, der als Fagans europäischer Partner auftritt, erklärte, in der Klageschrift hätte man auf die Nennung einer genauen Kompensationssumme verzichtet. Berichte, wonach rund 50 Milliarden Dollar von den Schweizer Banken und der Citicorp verlangt werden, kommentierte Gschwend so: „Das wäre eher noch zu wenig." New York diene als Gerichtsstand weil nach US-Recht Klagen gegen Firmen mit Dependancen in den USA erlaubt sind, falls ihnen Menschenrechtsverletzungen außerhalb der USA zur Last gelegt werden.

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