Deutscher Aktienindex : Märkte bleiben angespannt - Dax besonders schwankungsanfällig

Die Aktienkurse finden keinen Halt: Nach dem Crash am Vortag kommen die Märkte nicht zur Ruhe.

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Berlin - An den Aktienmärkten geht die Angst um. Nach dramatischen Kursverlusten am Vortag trennten sich Anleger auch am Freitag von ihren Aktien. Nachdem der Deutsche Aktienindex unter die wichtige Marke von 5400 Punkten gefallen war, kehrten einige Anleger aber an den Markt zurück. Als sich auch an der US-Börse eine leichte Entspannung abzeichnete, drehte der Dax am Nachmittag nach oben ab. Am Abend hatte sich das Minus auf 2,2 Prozent verkleinert. Der Dax schloss bei 5480 Zählern.

Neben einer Vielzahl von Gerüchten und Wirtschaftsdaten verunsichert vor allem eines die Börsianer: die Unfähigkeit der Regierungen in den USA und Europa, die ausufernden Staatsschulden in den Griff zu bekommen. Dazu macht sich die Angst breit, dass zu rigide Sparmaßnahmen das ohnehin schwache Wachstum abwürgen.

Gemessen an seinem Tagestief von Freitag hat der Dax seit dem 27. Juli, als der Crash auf Raten begann, mehr als 26 Prozent oder gut 1900 Punkte verloren. So steil ging es zuletzt nach der Lehman- Pleite 2008 bergab. Der Börsenwert aller 30 Dax-Unternehmen reduzierte sich in dieser Zeit um etwa 350 Milliarden Euro.

Wenige Beobachter machen sich derzeit Hoffnung, dass sich die Kurse schnell und nachhaltig erholen können – trotz der teilweise extrem niedrigen Bewertungen. Der viel beachtete V-Dax („Angst-Index“), der als Indikator für die Schwankungsbreite der Kurse ein Maß für die Nervosität der Anleger ist, sprang in den vergangenen Tagen wieder nach oben und notiert nun auf einem Niveau wie zuletzt Anfang 2009. „Wir gehen davon aus, dass die Volatilität an den Aktienmärkten in der Eurozone in nächster Zeit auf ihrem extrem hohen Niveau verbleiben dürfte“, glauben die Analysten der Landesbank Berlin. Ähnlich die Weberbank: „Wir erwarten kurzfristig auch weiterhin starke Marktbewegungen“, schreiben die Analysten. „Wobei diese eher von politischen Ereignissen und Spekulationen getrieben werden sollten als von fundamentalen Daten.“

Verglichen mit den anderen europäischen Indizes oder dem New Yorker Dow-Jones-Index ist der Dax in den vergangenen Tagen stärker eingebrochen (siehe Grafik). Börsianer erklären dies unter anderem mit der besonders effizienten und vergleichsweise preiswerten Handelsabwicklung an der Frankfurter Wertpapierbörse. Dies locke Investoren an, die am deutschen Aktienmarkt auf fallende Kurse wetteten – und für zusätzlichen Druck nach unten sorgten. Ein anderer Grund für die besondere Schwankungsanfälligkeit des Dax: Mit fünf schwergewichtigen Finanzwerten und vielen Konzernen, die besonders konjunktursensibel sind, ist der Index anfälliger für Schocks als seine Pendants.

Anleger, die sich derzeit an den Finanzmarkt wagen, müssen also äußerst risikobereit und flexibel sein. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Schnäppchenjäger nach dem Ausverkauf wieder Aktien kaufen, drohen schon in wenigen Wochen die nächsten Enttäuschungen: die Quartalsberichte der Unternehmen zum dritten und vierten Quartal.

Die DZ Bank erwartet, dass viele Unternehmen ihre Gewinnschätzungen für 2012 reduzieren werden, insbesondere in den zyklischen, also konjunktursensiblen Sektoren. „Im schlimmsten Fall droht 2012 eine Gewinnstagnation“, warnen die Analysten. Sie sagen Anlegern unruhige Zeiten voraus: „Kurzfristig sind eine Bodenbildung, ein kräftiger Rebound (Abprall) und ein Überschießen des Dax wahrscheinlich.“ Danach jedoch werde sich der Markt wieder mit den trüberen Gewinnaussichten beschäftigen.

„Sichere Häfen“ wie Gold und Bundesanleihen dürften also weiter gefragt bleiben. Auch am Freitag trieben die Kursturbulenzen an den internationalen Finanzmärkten den Goldpreis weiter an. Er stieg erstmals über die Marke von 1850 Dollar. In der Spitze kostete eine Feinunze (31 Gramm) des Edelmetalls 1852,75 Dollar. Damit wurde das Rekordhoch vom Vortag bei knapp 1830 Dollar deutlich übertroffen. Allein in der laufenden Woche legte der Goldpreis um gut 110 Dollar oder rund sechs Prozent zu.

Die derzeit hohe Goldnachfrage trifft auf ein gestiegenes Angebot. So wurde die globale Goldminenproduktion nach Daten des World Gold Council im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent auf 708,8 Tonnen ausgeweitet. China habe dabei mit einem Marktanteil von 13 Prozent seine Position als weltweit größter Goldminenproduzent untermauert, berichtet Eugen Weinberg, Rohstofffachmann der Commerzbank.

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