Deutscher Arbeitsmarkt : UN-Arbeitsorganisation warnt vor schwächerem Wachstum

Die Weltwirtschaft erholt sich langsam, trotzdem erwartet die Internationale Arbeitsorganisation für Deutschland eine Konjunkturdelle. Die ungewissen wirtschaftlichen Aussichten könnten wachstumshemmend sein.

Die Internationale Organisation für Arbeit (ILO) warnt vor verheerenden Folgen für den Arbeitsmarkt.
Die Internationale Organisation für Arbeit (ILO) warnt vor verheerenden Folgen für den Arbeitsmarkt.Foto: dpa picture alliance

Die Internationale Organisation für Arbeit (ILO) warnt trotz starkem Beschäftigungswachstums vor einem Abschwung am deutschen Arbeitsmarkt. Grund dafür sei das zu geringe Wachstum der Investitionen, zitierte der „Spiegel“ am Sonntag aus dem „Welt der Arbeit“-Report der UNO-Organisation, der am Montag veröffentlicht werden soll. Noch immer liege deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt unter dem Vorkrisenniveau. Investitionen gelten als Voraussetzung für neue Jobs.

Auch die unsichere Lage in der Euro-Zone und das schwächere Wachstum in Schwellenländern könne sich nachteilig auf die Beschäftigungslage auswirken, hieß es. Die ILO-Experten empfehlen der Bundesregierung dem „Spiegel “ zufolge deshalb, die heimische Nachfrage zu stärken, um unabhängiger von Exporten zu werden. Dazu müssten die Deutschen „atypische Beschäftigung“ wie Zeitarbeit und Mini-Jobs in reguläre Arbeitsverhältnisse überführen und sicherstellen, dass die Löhne mit der Produktivität steigen.

Die Lage auf den weltweiten Arbeitsmärkten bezeichnete die Organisation in ihrem Bericht als „angespannt“. Seit Ende 2011 nehme die Arbeitslosigkeit wieder zu. Für das Jahr 2012 geht die ILO von weltweit rund 202 Millionen Arbeitslosen aus. Die Beschäftigung in den Industrieländern werde frühestens Ende 2016 das Vorkrisenniveau erreichen. Besondere Probleme bereiteten in den meisten Ländern der Welt die Jugend- und die Langzeitarbeitslosigkeit, hieß es in dem Bericht.

Laut ILO ließ die Krise in der Hälfte aller Industrieländer sowie in einem Drittel der Entwicklungs- und Schwellenländer Armut und Ungleichheit steigen. Ein von der Organisation entwickelter Index zur Messung des Risikos sozialer Unruhen sei in 57 von 106 untersuchten Ländern gestiegen. Die höchsten Risiken bestehen demnach in Afrika und im Nahen Osten. Wo hingegen die Beschäftigung zugenommen habe, sei das Risiko zurückgegangen, schrieb die ILO.

Raymond Torres, Direktor des ILO-Forschungsinstituts, kritisierte in dem Bericht eine „einseitige Betonung von Sparmaßnahmen zumal in den Euroländern“. Diese vertieften die Beschäftigungskrise und könnten Europa erneut in die Rezession treiben. „Länder, die sich für eine beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik entschieden haben, haben sowohl wirtschaftlich als auch sozial bessere Ergebnisse erzielt“, schrieb Torres. (dapd/AFP)

12 Kommentare

Neuester Kommentar