Wirtschaft : Deutscher Aufschwung hilft Europa 2012 in allen EU-Staaten wieder Wachstum

Brüssel/Berlin/Frankfurt am Main - Der Wirtschaftsaufschwung in der Europäischen Union ist in diesem Jahr stärker als erwartet. Die EU-Kommission korrigierte am Montag in Brüssel ihre bisherigen Wachstumserwartungen nach oben. Erstmals seit 2007 soll es im Jahr 2012 wieder in sämtlichen 27 EU-Staaten Wirtschaftswachstum geben – und zwar durchschnittlich um 2,0 Prozent. Der Durchschnitt für das laufende Jahr soll bei 1,8 Prozent liegen. Für Deutschland sieht die EU die Rate 2010 bei 3,7 Prozent und 2011 bei 2,2 Prozent.

Doch die Entwicklung in den einzelnen Mitgliedstaaten sei sehr unausgewogen, da sich viele angesichts hoher Defizite in einer schwierigen Phase der Haushaltskonsolidierung befänden, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Es gebe „einen gewissen Dualismus in Europa“, sagte er. Die angeschlagenen Euro-Staaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien werden sich nach der EU-Prognose nur langsam von der Rezession erholen – sie müssen mit harten Sparauflagen rechnen, die den Schuldenstand senken sollen. Dagegen sei Deutschland „sehr stark“ aus der Rezession herausgekommen.

Auch in den kommenden Jahren habe die Bundesrepublik gute Chancen, Wachstumsraten von zwei Prozent und mehr zu verzeichnen. Das sagte Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), am Montag in Berlin. Es gebe einen Aufschwung „auf breiter Front“. 55 Prozent der Unternehmen erwarteten für 2011 bessere Geschäfte, sagte der Ökonom auf Basis einer Umfrage unter gut 1800 Unternehmen. Nur neun Prozent rechneten mit einem Rückgang. Dabei waren die Firmen aus dem Westen der Republik etwas optimistischer als die aus dem Osten. Im Schnitt der gesamten Wirtschaft hat sich mehr als ein Drittel der Unternehmen vorgenommen, im kommenden Jahr zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen.

Spiegelbildlich zum Aufschwung ist die Zahl der Pleiten spürbar zurückgegangen, wie die Auskunftei Creditreform mitteilte. Vor Jahresfrist habe man noch mit 38 000 Firmenpleiten für 2010 gerechnet, nun geht das Unternehmen von 32 100 aus. Allerdings rutschen trotz sinkender Arbeitslosigkeit immer mehr Verbraucher in die Überschuldung. Bei den Privatpleiten wird es 2010 nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform eine neue Rekordzahl von 111 800 geben. „Die Entwicklung hat sich vom Konjunkturzyklus abgekoppelt. 6,5 Millionen Erwachsene können mittlerweile ihren laufenden Verpflichtungen nicht mehr nachkommen“, sagte Creditreform-Chef Helmut Rödl. dpa/brö/ro

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