Wirtschaft : Deutscher Aufschwung stockt

BERLIN (jhw).Die Europäische Kommission erwartet in Deutschland einen kräftigen Konjunktureinbruch.Das deutsche Bruttoinlandsprodukt soll nach der Prognose nur noch um 1,7 Prozent zunehmen.Zuvor hatte die Kommission für das laufende Jahr mit einem Plus von 2,2 Prozent gerechnet.Im vorigen Jahr lag der Aufschwung hierzulande noch bei 2,8 Prozent, wie eine vorläufige Hochrechnung des Statistischen Bundesamts ergab.Der nachlassende Aufschwung wirkt sich nach Ansicht der Brüsseler Behörde auf die Beschäftigung aus: Die Zahl der Arbeitslosen dürfte sich wieder vergrößern.

Deutschland sei, so stellt die Kommission in ihrem gestern vorgelegten Papier für die Grundzüge der Wirtschaftspolitik 1999 fest, in größeren Schwierigkeiten als die anderen EU-Staaten.Die heftige Abschwächung erkläre sich daraus, daß Deutschland stärker als andere europäische Staaten dem schwächeren Welthandel und heimischen Sondereinflüssen wie der Bauflaute ausgesetzt sei."Die Auswirkungen der internationalen Krisen waren schlimmer, als wir erwartet hatten", sagte der amtierende Kommissar für Wirtschaft und Währung, Yves-Thibault de Silguy, in Brüssel.Geringere Exporte infolge der weltweiten Turbulenzen an den Märkten hatten die Wirtschaftskraft Deutschlands bereits zum Ende des vorigen Jahres vermindert.Zwar erwartet die Kommission für das Jahr 2000 wieder einen deutlicheren Aufschwung.Aber sie nahm die Prognose auf ein Plus von 2,4 Prozent zurück - gegenüber 2,6 Prozent in der Herbstprognose des vorigen Jahres.

Die Kommission sieht in der Deregulierung - dem Zurückfahren staatlicher Eingriffe nach dem Beispiel des liberalisierten Telefonmarktes - Chancen für die deutsche Konjunktur.In einzelnen Branchen seien bereits beträchtliche Fortschritte erzielt worden.Ähnlich sollte Deutschland sich auch in anderen Wirtschaftsbereichen anstrengen - etwa im Hinblick auf die im Vergleich streng regulierten Ladenöffnungszeiten.

Mit Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt begrüße die Kommission den Ansatz der Bundesregierung in der ersten Stufe der Steuerreform, die Lohnnebenkosten durch höhere Energiesteuern zu verkleinern, hieß es.Der Gesetzgeber müsse diese Bemühungen fortsetzen, um die Arbeitskosten weiter zu senken.Zudem empfiehlt die Behörde "eine effektive Vereinfachung der Steuergesetzgebung".

In ihrer Frühjahrsprognose erwartet die Kommission einen Aufschwung in den elf Staaten Eurolands von 2,2 Prozent.Für die 15 EU-Staaten geht sie von 2,1 Prozent aus.Dies sind 0,4 beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte weniger als in der Herbstprognose.Für Deutschland macht der Unterschied allerdings 0,5 Prozentpunkte aus.Im Jahr 2000 soll sich die Wirtschaftsleistung in Euroland und EU um 2,7 Prozent erhöhen.Die Beschäftigung in der EU nimmt laut Kommission in diesem Jahr um rund 2,5 Mill.Arbeitsplätze zu.Die EU-Arbeitslosenquote, die 1994 den Höchststand von 11,2 Prozent und im vorigen Jahr zehn Prozent erreicht hatte, wird demnach im laufenden Jahr auf 9,6 und im kommenden Jahr auf 9,2 Prozent fallen.Für Euroland schätzt die Kommission 10,4 beziehungsweise 9,9 Prozent.

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