Wirtschaft : Deutscher Außenhandel klar auf Rekordkurs

BONN (aho).Der deutsche Außenhandel steuert in diesem Jahr auf einen neuen Rekord zu.Gleichzeitig erwarten die Unternehmen wegen der Krisen in Rußland und Asien geringere Zuwächse für 1999 und einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP).Mit diesen Worten hat am Mittwoch in Bonn Michael Fuchs, Präsident des Deutschen Groß- und Außenhandel (BGA), die Lage der deutschen Exportwirtschaft skizziert.1998 wird der Handelsüberschuß voraussichtlich auf den Rekord von 156 Mrd.DM klettern und damit den bisherigen Spitzenwert von 1989 um 22 Mrd.DM übertreffen.Wegen der Asienkrise korrigiert Fuchs seine BIP-Prognose um 0,3 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent nach unten.Im kommenden Jahr dürfte die Rate zwischen zwei und 2,5 Prozent liegen.

"1998 wird ein sensationelles Jahr", sagte er.So würden die Einfuhren um 9,5 Prozent auf 828 Mrd.DM klettern, die Ausfuhren sogar um elf Prozent auf 984,6 Mrd.DM.Fuchs erklärte das mit mehreren Gründen: So sind die Importe aus Asien gestiegen, weil wegen der dortigen Abwertung viele Güter und Vorprodukte billiger geworden sind.Gleichzeitig haben die Firmen wegen der günstigen Rohstoffpreise ihre Lager aufgestockt.Außerdem entwickelt sich die Wirtschaft der wichtigsten Handelspartnern Deutschlands in USA und Westeuropa weiter gut.Mit diesen Ländern wickeln die Unternehmen hierzulande über zwei Drittel des Außenhandels ab.Außerdem profitierten die deutschen Unternehmen von den maßvollen Tarifabschlüssen der vergangenen Jahre und den gesunkenen Lohnstückkosten.

Dagegen haben die Exportausfälle im Südostasiengeschäft sowie in Rußland den Exporteuren in diesem Jahr "einen leichten Dämpfer" verpaßt, sagte Fuchs.Unter der Rußlandkrise litten besonders die Hersteller von Konsumgütern und die Nahrungsmittel-Exporteure hierzulande.Importiert würden meist Rohstoffe, die auf Devisenbasis abgerechnet würden.Insgesamt gehen nur knapp zwei Prozent der deutschen Ausfuhren nach Rußland.

Stärker sind die Folgen der Asienkrise.Etwa fünf Prozent der hiesigen Exporte gehen in die sieben wichtigsten Krisenländer Thailand, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Taiwan, Korea und Hongkong.Im ersten Halbjahr sind die Ausfuhren in die Asean-Länder bereits um ein Fünftel gesunken, Fuchs erwartet diesen Wert für das ganze Jahr.Gleichzeitig kletterten die Importe im gleichen Zeitraum um ein Zehntel.Das ist wenig verwunderlich.Die D-Mark hat sich durch die Abwertung der Asien-Währungen innerhalb eines Jahres um 67 Prozent verteuert.Entsprechend gestiegen sind die Preise deutscher Waren.Besonders litten darunter die Hersteller von Investitionsgütern, etwa im Maschinenbau.

Für den BGA-Präsidenten kann die "Kumulation der verschiedenen Krisenherde einen weltweiten ökonomischen Erdrutsch auslösen".Aus verschiedenen Gründen.Da die Länder ihre Währungen abgewertet hätten, seien sie wettbewerbsfähiger geworden und könnten so ihre Güter billiger anbieten.Gleichzeitig verliert der Dollar an Wert, wodurch deutsche Waren auf den Weltmärkten zuletzt um ein Zehntel teurer geworden sind.Schließlich exportieren wichtige Handelsländer der Deutschen, wie Frankreich, Niederlande, Großbritannien oder USA, stark nach Asien.Die Krise läßt aber die Konjunktur in diesen Ländern abflauen und trifft über diesen Umweg deutsche Unternehmen.Aus all diesen Gründen erwartet Fuchs, daß die Exporte 1999 nur neun Prozent zulegen werden - auch wenn die Währungsunion für einen "Euro-Push" sorgen werde.

Von der neuen Regierung erwartet der BGA-Chef, daß sie die Reformfortschritte nicht rückgängig macht.Ein Bündnis für Arbeit sei nur ohne Vorbedingungen sinnvoll."Als bloße Staffage für längst Beschlossenes" wolle er sich nicht hergeben, sagte Fuchs.Auch warnte er vor der erneuten Einführung der Vermögensteuer und sonstigen Ökoabgaben.Die neue Koalition sollte diese "wirtschaftspolitischen Marterwerkzeuge im roten Werkzeugkasten einschließen".

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