Deutscher Außenhandel : Mehr in Europa kaufen

Die Importe aus der EU steigen, die Exporte sinken, weil die südeuropäischen Ländern weniger kaufen. Der Handelsbilanzüberschuss Deutschlands bleibt wegen der Lieferungen nach China und anderen Schwellenländern trotzdem enorm hoch.

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Ferne Häfen. Vor allem wegen der Ausfuhren in Schwellenländer wie China, hier der Hafen von Ningbo am Ostchinesischen Meer, übersprangen die deutschen Exporte 2011 erstmals den Wert von 1000 Milliarden Euro.
Ferne Häfen. Vor allem wegen der Ausfuhren in Schwellenländer wie China, hier der Hafen von Ningbo am Ostchinesischen Meer,...Foto: REUTERS

Berlin - Der langjährige Exportweltmeister bleibt in Form. Gleichzeitig bestätigt sich der Trend einer Annäherung im Außenhandel zwischen Deutschland und den Eurostaaten. Im Mai lieferten deutsche Firmen zwar noch immer mehr Waren und Dienstleistungen in die 17 Euroländer, als sie von dort importierten. Die Differenz beträgt indes nur noch eine Milliarde Euro. Das lässt hoffen, denn die Ungleichgewichte im Handel sind ein Kernproblem der Währungsunion. Immer wieder werden die Deutschen aufgefordert, ihre Überschüsse durch eine Stärkung der Binnennachfrage und vermehrte Importe abzubauen. Tatsächlich passiert das. Die Überschüsse gegenüber den europäischen Nachbarn sind in den vergangenen fünf Jahren deutlich gesunken.

Vor allem wegen der hohen Ausfuhren in Schwellenländer wie China und Brasilien übersprangen im vergangenen Jahr die Exporte aus Deutschland erstmals den Wert von 1000 Milliarden Euro. Die Importe lagen deutlich darunter, unterm Strich stand dann ein Überschuss von 158 Milliarden Euro. Und in diesem Jahr wird das womöglich noch mehr: Wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat, übertrafen die Ausfuhren in den ersten fünf Monaten die Einfuhren um 75 Milliarden Euro. Von Januar bis Mai 2011 betrug der Überschuss dagegen „nur“ 66,3 Milliarden Euro.

In der EU haben 20 von 26 Ländern ein Defizit mit Deutschland. Ausnahmen sind unter anderem die Niederlande, Tschechien und die Slowakei, was in den letztgenannten Ländern mit Zulieferungen für deutsche Autohersteller zusammenhängt. Die Defizitländer müssen, um die Waren bezahlen zu können, Kapital importieren. Das ist eine Ursache für die Schuldenkrise, aber es gibt einen positiven Trend. „Wir erleben eine fortlaufende Rückanpassung der Ungleichgewichte, die vor und während der Krise aufgebaut wurden“, freute sich EU-Währungskommissar Olli Rehn bereits im Frühjahr. Gemeint sind die Krisenjahre 2008/09. Tatsächlich haben sich seitdem die Überschüsse Deutschlands gegenüber den EU-Partnern sogar „halbiert“, wie Nils Jannsen vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sagt. „Es gab zeitweise Monate, da lag der deutsche Überschuss bei zehn Milliarden Euro.“

Tatsächlich importieren die Nachbarn weniger und die Deutschen mehr. In die Mitgliedstaaten der EU wurden im Mai Waren im Wert von 53,6 Milliarden Euro versandt und Waren im Wert von 49,5 Milliarden Euro von dort bezogen. Gegenüber dem Vorjahresmonat fielen dabei die deutschen Exporte um 1,5 Prozent, während die Importe um 0,4 Prozent stiegen. In die Länder der Euro-Zone exportierten deutsche Firmen sogar 2,3 Prozent weniger, gleichzeitig fielen die Importe um 0,6 Prozent. „Wir gehen weiter von einer Anpassung aus“, sagt der Kieler Ökonom Jannsen. Vor allem wegen der höheren Importe bauten sich die Überschüsse in der deutschen Handelsbilanz ab. Die Exporte dagegen würden auch wegen der Abwertung des Euro in Nicht-Euro Staaten zunehmen.

Angesichts der Rezession im EuroRaum ist das für die deutsche Wirtschaft enorm wichtig. Am Montag berichtete die Elektroindustrie von einem Auftragseinbruch: Den achten Monat in Folge fielen die Orders, im Mai sogar um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres liegt das Auftragsminus nun bei insgesamt zwölf Prozent. Gleichzeitig fielen die Umsätze um 1,5 Prozent auf 70,2 Milliarden Euro. Dabei gibt es durchaus Hoffnung: Bei der Beurteilung der Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate halten sich positive und negative Erwartungen der Unternehmen die Waage, schreibt der Branchenverband ZVEI.

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