Deutscher Automarkt : Eine Million Autos weniger

Marktexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet mit dem größten Einbruch auf dem deutschen Automarkt. VW ist optimistisch.

Corinna Visser

Berlin - Das kommende Jahr wird schrecklich – jedenfalls für Autokonzerne und Autohändler. „Es wird der größte Einbruch werden, der jemals im deutschen Automarkt beobachtbar war“, prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Uni Duisburg-Essen. Denn das Jahr 2009 war trotz der Wirtschaftskrise und wegen der Abwrackprämie eines der besten Jahre auf dem deutschen Automarkt. Viele Kunden zogen ihren Autokauf vor. Insgesamt rechnet Dudenhöffer in 2010 mit einem Einbruch der Neuzulassungen um knapp eine Million Fahrzeuge.

Im zu Ende gehenden Jahr werden nach der Prognose des CAR 3,83 Millionen neue Pkw in Deutschland verkauft. Nur unmittelbar nach der Wende waren die Verkaufszahlen höher: 1991 lagen sie bei 4,16 Millionen. Dabei werden die Händler im kommenden Jahr nicht nur unter dem starken Rückgang der Neuwagenverkäufe zu leiden haben. „Durch die Abwrackprämie wurden die Gebrauchtwagenpreise aus dem Gleichgewicht gebracht“, analysiert Dudenhöffer. Dies habe große Auswirkungen auf die Restwerte der Gebrauchtwagen. 2010 müsse daher „mit hohen Verlusten bei der Rücknahme von Leasingfahrzeugen gerechnet werden.“ Dies treffe vor allem die deutschen Marken.

2009 ist Volkswagen laut CAR noch der absolute Gewinner auf dem deutschen Markt – mit 814 000 verkauften Neuwagen, was einem Zuwachs um 32 Prozent entspricht. Im kommenden Jahr müsse VW aber einen Rückgang um 30 Prozent verschmerzen. „VW verliert im Jahr 2010 nach unserer Prognose 243 627 Neuzulassungen“, schreibt Dudenhöffer.

Auch Ford hat in Deutschland in diesem Jahr vor allem dank der Abwrackprämie den höchsten Absatz seit 1999 erzielt. Insgesamt würden 2009 mehr als 300 000 Fahrzeuge verkauft, 36 Prozent mehr als im Vorjahr, sagte der Chef der Ford-Werke, Bernhard Mattes, der dpa in Köln. Für 2010 erwartet er einen Rückgang, für eine genauere Prognose sei es noch zu früh. „Wir wollen unsere Position im deutschen Markt festigen – auf Basis einer insgesamt sicherlich rückläufigen Gesamtnachfrage“, sagte er.

Vor allem bei den Importeuren erwartet Dudenhöffer dramatische Rückgänge. Fiat und Hyundai etwa werden nach seiner Prognose nur noch rund halb so viele Autos hierzulande verkaufen wie 2009. Mit leichten Zuwächsen rechnet er nur bei BMW, Porsche, Jaguar und Land-Rover. Bei BMW spiele unter anderem der neue 5er eine wichtige Rolle.

Doch nicht alle blicken so pessimistisch in das neue Autojahr wie der Forscher aus dem Ruhrgebiet. Wachstum erhoffen sich die Konzerne aber vor allem auf Märkten außerhalb Deutschlands. VW-Chef Martin Winterkorn rechnet 2010 mit einem weltweit steigenden Auto-Absatz in der gesamten Branche. Er gehe davon aus, dass ein oder zwei Millionen Fahrzeuge mehr verkauft würden, sagte er dem Magazin „Wirtschaftswoche“. Dieses Wachstum fände allerdings in Märkten wie China, Brasilien, Indien oder Russland statt. Dort würden geringere Gewinnspannen erzielt, so dass 2010 dennoch ein sehr hartes Jahr werde. Europas größten Autobauer sieht er jedoch auf einem guten Weg und rechnet fest mit Marktanteilsgewinnen. Kurzarbeit sei für VW in Deutschland derzeit kein Thema. „Unsere Auftragsbücher sind bis ins Frühjahr gut gefüllt“, sagte Winterkorn. Corinna Visser

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