Wirtschaft : Deutscher BA droht Bruchlandung

Noch keine Einigung bei Tarifverhandlungen mit Pilotengewerkschaft Cockpit / Easyjet ist pessimistisch

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Berlin (fw). Die Übernahme der Deutschen BA durch die britische Easyjet wird immer unwahrscheinlicher. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Deutsche BA (DBA) haben sich in der Nacht zum Donnerstag nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen können. „Ich bin im Moment pessimistisch“, sagt EasyjetSprecher Toby Nicol dem Tagesspiegel am Donnerstag. Die neuen Arbeitsbedingungen sind die Voraussetzung für die Übernahme. Am Freitag hält Easyjet eine Vorstandssitzung, auf der das Thema diskutiert wird. Eine Entscheidung wird Nickel zufolge voraussichtlich noch nicht getroffen werden. Bis Ende März will Easyjet sich entschieden haben.

Easyjet, der größte Billigflieger Europas, hat eine Option unterschrieben, mit der sie bis zum August Zeit hat, sich für eine Übernahme der DBA zu entscheiden. Seitdem zahlt der britische Billigflieger jeden Monat 600 000 Euro an die DBA, und versucht, sie radikal zum Billigflieger umzubauen. Noch vor einem Jahr flog die chronisch defizitäre DBA mit einem klassischen Geschäftsmodell, bevor sie im Mai in das Billigfluggeschäft einstieg. Der Umbau zum neuen Geschäftsmodell ist aber noch nicht vollzogen. Um die alten Strukturen umzubauen und dem Low-Cost-Modell anzupassen, müssen die Gewerkschaften mitziehen. Denn Billigflieger sparen nicht nur am Vertrieb, der hauptsächlich über das Internet abläuft. Die Piloten und das Flugpersonal müssen auch in Kauf nehmen, mehr Stunden im Jahr zu arbeiten.

Ohne Übernahmepartner steht die deutsche BA vor dem Aus. „Die Möglichkeit besteht, das Geschäft aufzugeben“, sagte DBA-Chef Martin Wyatt am Donnerstag. Zusammen mit der Muttergesellschaft British Airways denke man aber ebenfalls über eine Lösung nach, die DBA alleine weiter zu führen. Auch gebe es andere Kandidaten, die interessiert seien. Wegen der Übernahmeoption darf es mit denen jedoch momentan keine Gespräche geben.

Die Vereinigung Cockpit hatte am Mittwoch die neuen Mantel- und Tarifverträge von Easyjet akzeptiert. Damit würden sich die Arbeitsbedingungen der DBA–Piloten drastisch ändern: sie müssen akzeptieren, ihre jährliche Flugzeit von durchschnittlich 605 Stunden auf 750 Stunden zu erhöhen, und flexibler einsetzbar zu sein. Im Gegenzug hat die VC verlangt, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Außerdem forderte sie, dass Easyjet die Kaufoption bis Mitternacht am Mittwoch ausübe.

„Das ist unprofessionell“, warf DBA-Chef Martin Wyatt der Gewerkschaft vor. So schnell könne man eine solche Entscheidung nicht treffen. Easyjet-Sprecher Nicol bestätigte dies. „Die Gewerkschaft hat überhaupt nicht ernsthaft in Betracht gezogen, konstruktiv zu verhandeln. Wenn unser Angebot gestern Abend gut genug war, warum dann nicht mehr heute oder morgen?“. Easyjet habe nicht einmal die Zeit gehabt, sich die Bedingungen genauer anzusehen. „Die deutschen Verbraucher werden unter dem Verhalten der Vereinigung Cockpit leiden, wenn die Fusion nicht zustande kommt und ein Billigflieger vom Markt verschwindet.

Die Gewerkschaft warf dagegen der Deutschen BA vor, sie unter Druck gesetzt zu haben. „Die haben darauf bestanden, dass wir die Verhandlungen am 12. Februar abschließen“, sagte Hans Albrecht, Sprecher der Tarifkommission von der VC. Wenn der Zeitdruck so hoch gewesen sei, dann hätte sich Easyjet auch am gleichen Abend entscheiden können, sagte Albrecht.

Seit Easyjet sich im vergangenen Jahr für die Kaufoption entscheiden hat, haben sich die Bedingungen entschieden verändert: Zwei neue Billigflieger, Germanwings und Hapag-Lloyd-Express, sind auf den Markt gekommen. Zudem hat Ryanair, der größte Konkurrent von Easyjet, den KLM-Billigflieger Buzz übernommen. Die allgemeine Konjunktur- und Reisekrise macht auch Easyjet zu schaffen – für dieses Halbjahr kündigte Easyjet-Chef Ray Webster einen Verlust an. Und der deutschen BA geht es auch immer schlechter. Im Februar und März will die Gesellschaft 500 Flüge streichen.

Am Montag werden die DBA und die Vereinigung Cockpit voraussichtlich erneut zu Verhandlungen zusammenkommen.

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