Wirtschaft : Deutscher Export auf Rekordniveau

BONN (aho).Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahr soviel exportiert wie nie zuvor.Wie der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) am Mittwoch in Bonn mitteilte, stieg der Außenhandelsüberschuß 1998 auf 136 Mrd.DM.Damit lag er um zwei Mrd.DM über dem bisherigen Rekord von 1989.Insgesamt kletterte das Außenhandelsvolumen um 6,2 Prozent auf 1764 Mrd.DM.Dabei legten die Ausfuhren mit einem Plus von knapp sieben Prozent stärker zu als die Einfuhren, die nur um 5,4 Prozent kletterten.Grund dafür waren nach Angaben des Verbandes die gute Konjunktur in den USA und Europa.

Für das laufende Jahr erwartet BGA-Präsident Michael Fuchs, daß sich der Außenhandel abschwächt, und nur um 2,5 Prozent auf 1807 Mrd.DM zulegt.Er begründete dies mit dem nachlassenden Wachstum in Asien, Rußland und Lateinamerika."Die russische Wirtschaft liegt am Boden, der Handel fällt weiter ab", sagte er.Im vierten Quartal des vergangenen Jahres hätten sich beispielsweise die Exporte nach Rußland gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert.Ähnliches gelte für die Einfuhren.

Für die nächsten Monate rechnet der BGA-Chef damit, daß die Importe stärker zulegen als die Exporte.Die asiatischen Länder hätten eine Ausfuhroffensive gestartet und versuchten sich "aus der Krise zu exportieren und können wechselkursbedingt mit erheblich verbilligten Preisen auf dem Weltmarkt anbieten".Erfreulich entwickelt sich noch der Außenhandel mit den wichtigsten Partnerländern Frankreich, Großbritannien und Italien.Dagegen finden deutsche Waren in den Niederlanden und Belgien weniger Käufer.Für den BGA-Chef hat die Exportschwäche auch Folgen für das Wachstum; ihm zufolge legt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach 2,8 Prozent im vergangenen Jahr nur noch 1,2 Prozent in diesem Jahr zu.Fuchs erwartet deshalb keinen Umschwung am Stellenmarkt."Die Zahl der Arbeitsplätze wird bestenfalls stagnieren, wahrscheinlich aber zurückgehen."

Er erneuerte seine Kritik an den Gewerkschaften und der rotgrünen Bundesregierung.So seien die Tarifabschlüsse "völlig überhöht" und würden im Großhandel angesichts des dortigen Rückgangs bei einer Übernahme "zu einem drastischen Arbeitsplatzabbau führen".Fuchs widersprach auch der Behauptung, der ehemalige Finanzminister Oskar Lafontaine (SPD) sei ein Opfer der Konzerne gewesen: "Hätte die Wirtschaft die Kraft, einen Minister aus dem Amt zu jagen, wäre Norbert Blüm zweifelsohne nicht 16 Jahre Arbeitsminister geblieben." Er forderte die rotgrüne Regierung erneut zu einem Kurswechsel auf und verlangte ein Gesamtkonzept der Wirtschafts- und Finanzpolitik.Deutschland könne sich nicht "an den Wunschvorstellungen ergrauter Spätachtundsechziger orientieren, sondern an Realitäten des Wettbewerbs auf einem globalisierten Markt".

Ähnlich düster beurteilt die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Konjunktur.In ihrer jüngsten Wachstumsprognose für die Euro-Zone geht sie nur noch von einem Plus des BIP von zwei statt bislang 2,5 Prozent aus.Grund sei die Unruhe an den Finanzmärkten, heißt es in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Bericht.Auch ein langsameres Wachstum in den USA und Großbritannien sowie mögliche Turbulenzen in den Schwellenländern könnten das Vertrauen weiter beeinträchtigen, heißt es in dem Bericht.Angesichts der niedrigen Inflationsrate erwartet die OECD, daß die Zinsen in der Euro-Zone unter den derzeitigen Satz von drei Prozent sinken könnten.

Trist blicken auch die deutschen Unternehmen in die Zukunft.Wie das Münchner Ifo-Institut in seinem jüngsten Konjunkturtest mitteilt, sank der Geschäftsklimaindex der westdeutschen Wirtschaft stark.Mit 89,8 Punkten (1991 = 100) erreichte er den tiefsten Stand seit August 1996.Anfang 1998 lag er noch über 99 Punkte.Vor allem die westdeutschen Industriefirmen sind pessimistisch, aber auch Handel und Bau stecken im Stimmungstief.Dagegen hellt sich die Einschätzung im Osten auf - obwohl erneut weniger produziert und nachgefragt worden ist.Die Auftragsbücher der Baufirmen sind etwas dicker geworden und der Handel erholt sich ebenfalls leicht.

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