Wirtschaft : Deutscher Fondsmanager sind wieder an amerikanischen Papieren interessiert

Nach einem monatelang abflauenden Interesse stehen US-Aktien jetzt offenbar wieder auf den Kauflisten deutscher Fondsmanager. Erstmals seit Februar ging im Oktober die US-Quote in den Portfolios institutioneller Anleger leicht nach oben. Dies ergab die monatliche Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter sechs großen deutschen Fondsgesellschaften. Parallel zur zunehmenden Gunst für Amerika schwächte sich der Run auf japanische Dividenden-Papiere deutlich ab. Bislang hatten die institutionellen Anleger ihre aus den Vereinigten Staaten abgezogenen Aktiengelder meist in Japan investiert.

Der Umfrage zufolge stieg der durchschnittliche Anteil amerikanischer Papiere in den Portfolios auf 35,4 Prozent von 34,9 Prozent im Vormonat. Seit Februar (39 Prozent) war die Quote praktisch beständig nach unten gegangen. Ebenfalls aufgestockt wurden Dividendenpapiere der kleineren Länder der Eurozone. Ihr Anteil lag bei neun Prozent nach 8,4 Prozent im September. Leicht rückläufig entwickelte sich dagegen die Nachfrage nach Titeln aus den großen Euro-Ländern Deutschland, Frankreich und Italien.

"Traditionell sind europäische Investoren in den USA untergewichtet. Wenn man sich jedoch den Börsenverlauf anschaut, merkt man, dass auf das falsche Pferd gesetzt wurde", sagte Thomas Richter, Sprecher der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Vor allem nach den jüngsten Zinsschritten der US-Notenbank bestehe wieder Vetrauen in den amerikanischen Markt. Es gebe ein solides Wachstum und eine niedrige Inflation. "Im Vergleich dazu war Europa enttäuschend", sagte Richter.

Bestätigt hinsichtlich der US-Einschätzung fühlt man sich bei der Fondsgesellschaft Adig. "Wir sind das ganze Jahr über bei den US-Aktien höher investiert gewesen, nie unter der Benchmark", sagte Fondsmanager Thomas Tilse. Viele Anleger hätten dagegen den amerikanischen Anteil wegen der Sorgen über die Konjunkturentwicklung und aus Furcht vor Zinserhöhungen geringer gehalten. "Das war die alte US-Skepsis, typisch deutsch", fasste Tilse zusammen.

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