Deutscher Gründerpreis : Berlinerin schafft es mit Kita-Portal in die Endrunde

Wie finde ich einen Kita-Platz für mein Kind? Diese Frage treibt Eltern vielerorts zur Verzweiflung. Anke Odrig hat mit Little Bird eine Lösung gefunden.

Alexander Triesch
Anke Odrig ist als einzige Berlinerin für den Deutschen Gründerpreis nominiert und hat es in die Endrunde geschafft
Anke Odrig ist als einzige Berlinerin für den Deutschen Gründerpreis nominiert und hat es in die Endrunde geschafftFoto: Little Bird GmbH

Kaum ist das Kind da, müssen sich Eltern um einen Kita-Platz kümmern. Das heißt, eigentlich müssen sie warten, hoffen, bangen und wieder warten. Denn die Plätze sind knapp und die Kommunen mit der Vergabe überfordert. Anke Odrig kennt das aus eigener Erfahrung – und sie kann das ändern. Letzteres ist preisverdächtig. Die Mutter zweier Kinder ist mit ihrem Start-up Little Bird als Aufsteiger für den Deutschen Gründerpreis nominiert, der am Dienstagabend verliehen wird. Der Preis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für junge Unternehmen in Deutschland. Die Förderer sind unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das ZDF. Die 40-Jährige hat es als einzige Berlinerin in die Endrunde geschafft.

Neustart in Berlin

Angefangen hat alles 2007: Die studierte Betriebswirtin und SAP-Projektmanagerin wollte nach gescheiterter Beziehung einen Neustart in Berlin wagen. Für Sohn Justus musste also ein neuer Kita-Platz her. „Ich habe mich bei mehreren Einrichtungen vorstellen müssen und wusste nie, ob und wann ich einen Platz für ihn bekomme“, sagt sie. Mit ihrem Onlineportal Little Bird will Odrig heute die Suche nach einem Kita-Platz leichter machen. „Ich löse nicht den Mangel an Kita-Plätzen, ich mache den Bedarf und das Angebot nur transparenter und übersichtlicher“, sagt sie.

Kinder werden in zehn Kitas angemeldet

In Deutschland gibt es über 50.000 Kitas. Die Plätze werden jedoch nicht von den Kommunen, sondern von öffentlichen und privaten Trägern angeboten. Diese melden die Anmeldungen dann zurück an die Kommunen. Für Odrig ist das ein entscheidende Problem: „Die Kommunen bekommen zum Beispiel zehn Kinder gemeldet, obwohl es sich eigentlich immer um ein und das selbe Kind handelt“, sagt die Firmenchefin. „Es gibt oft keine Infrastruktur für die Übersicht der Platzvergaben oder wie hoch der tatsächliche Bedarf ist.“

Ihre Idee: Eine Internetplattform, die Angebot und Nachfrage erfasst, den Kommunen eine zentrale Verwaltung ermöglicht und Eltern bei der Suche nach einem Platz unterstützt. „Damals hatten viele Städte nicht mal ein eigenes Onlineportal“, sagt Odrig. Viele Banken trauten ihren Angaben zufolge einer allein erziehenden Mutter ein solch ambitionierte Projekt nicht zu. Nur durch ein Förderprogramm der Investitionsbank Berlin konnte Little Bird finanziert werden. Zusammen mit der Volksbank investierte das Institut 1,2 Millionen Euro.

60 Kommunen, mehr als 30 000 Eltern

Die ersten Mitstreiter trafen sich damals noch in Odrigs Wohnung. Heute arbeiten 25 Leute in den Büros in Prenzlauer Berg. Sie betreuen 60 Kommunen in ganz Deutschland. Mittlerweile nutzen auch mehr als 30 000 Eltern das Portal, um im Internet einen Kita-Platz zu finden. Kommunen können eine Lizenz für Little Bird erwerben und erhalten dann auch Updates und Schulungen für die Software. Aus Österreich und der Schweiz gibt es bereits erste Anfragen, seit Kurzem nutzt auch eine belgische Gemeinde die Software. „Die Nominierung allein ist schon eine Auszeichnung und ein schönes Signal für die Kita-Debatte in Deutschland“, sagt Odrig. Das Projekt wird noch bekannter, hofft sie, und findet neue Unterstützer.

In Berlin kommt Little Bird übrigens nicht zum Einsatz. Die Verwaltung vertraut auf ein eigenes System. Lange habe Odrig auf die Politik eingeredet und dafür geworben, ihre Plattform auch in Berlin zu nutzen – ohne Erfolg: „Das ist nicht gewollt und man will am jetzigen ISBJ-Modell festhalten“, sagt sie.

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