Deutscher Kabelmarkt : Mehr Leistung in der Leitung

Fernsehkabel machen der Telefonleitung zunehmend Konkurrenz. Wie attraktiv diese Technologie ist, zeigt auch der Milliardenpoker um Kabel Deutschland.

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Reichlich Perspektiven. Sowohl der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global als auch der britische Mobilfunkkonzern Vodafone wollen Deutschlands größten Kabelnetzbetreiber (hier die Funkzentrale in Frankfurt am Main) übernehmen. Foto: Reuters
Reichlich Perspektiven. Sowohl der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global als auch der britische Mobilfunkkonzern Vodafone wollen...Foto: REUTERS

Viele Jahre hat kaum jemand über seinen Kabelanschluss nachgedacht. Meist wurden die Gebühren dafür über die Nebenkostenrechnung eingezogen, der Fernseher lief, das war’s. Doch längst sind die Kabelnetzbetreiber zu großen Herausforderern der Deutschen Telekom und anderen Netzbetreibern geworden. Denn das aufgerüstete Fernsehkabel (Koaxialkabel und Glasfaser) ist deutlich leistungsfähiger als die Telefonleitung (Kupferdoppelader und Glasfaser). Bandbreiten von mehr als 100 Megabit sind da kein Problem. Während die Telekom also versucht, ihr Angebot in Richtung HD- Fernsehen zu erweitern, gewinnen die Kabelnetzbetreiber ihrerseits immer mehr Kunden für ihre Telefon- und Internetangebote. Und sind längst zu einem attraktiven Übernahmeziel geworden.

Der Bieterwettstreit um Deutschlands größten Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland ist voll entbrannt. Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone und der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global treiben sich gegenseitig an. Liberty soll rund 85 Euro je Kabel-Deutschland- Aktie bieten, das wären 7,5 Milliarden Euro. Vodafone wollte wohl zunächst nur 81 Euro pro Aktie zahlen, hat sich inzwischen aber auf 87 Euro eingelassen.

Vodafone würde mit der Übernahme zu einem Komplettanbieter werden – Mobilfunk, Telefon, Internet und Fernsehen. Zudem hätte das Unternehmen dann auch ein leistungsfähiges Netz, in das es die rasant wachsenden Datenströme aus dem Mobilfunk ableiten könnte. Liberty wiederum hat bereits zwei deutsche Kabelnetzbetreiber geschluckt und könnte weitere Synergien heben.

Die Nachfrage nach Bandbreite und schnellen Anschlüssen wird jedenfalls weiter wachsen. Ende 2012 waren hierzulande erst rund 28 Millionen Breitbandanschlüsse in Betrieb. Mit 23,3 Millionen Anschlüssen und einem Anteil von 83 Prozent ist DSL (über die Telefonleitung) weiterhin die dominierende Technologie. Die Kabelnetzbetreiber kamen auf rund 4,4 Millionen Breitbandanschlüsse – mit stark steigender Tendenz. Bei den Neuanschlüssen liegt ihr Marktanteil über 50 Prozent.

Der Berliner Kabelnetzbetreiber Tele Columbus befürwortet die Konsolidierung in der Branche. „Das ist gut für die Verbraucher“, sagte Tele-Columbus- Chef Ronny Verhelst dem Tagesspiegel. „Es ist wichtig, dass gleichstarke Partner auf dem Markt konkurrieren. Nur so steigt die Qualität der Angebote.“ Deutschland liege bei der Breitbandversorgung im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zurück. „Wir brauchen hierzulande finanzstarke Unternehmen, die bereit sind, große Summen in die Netze zu investieren“, sagte Verhelst. Unternehmen wie Vodafone und Liberty Global.

Der europäische Markt ist stark zersplittert: Während es in den USA nur fünf bis sechs große Kabelnetzbetreiber gibt, sind es in Europa hunderte. „Wir beobachten Zusammenschlüsse in allen Märkten“, sagte Verhelst. Und die seien auch nötig, um den ehemaligen Monopolisten wie etwa der Deutschen Telekom auf Augenhöhe begegnen zu können. Die Märkte – Telefon, Internet und Fernsehen – sind längst zusammengewachsen. In Deutschland gibt es neben den beiden großen Kabelnetzbetreibern Kabel Deutschland (8,5 Millionen Kunden in 13 Bundesländern) und der Liberty-Tochter Unity Media Kabel BW (gut sieben Millionen Kunden in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg) noch viele kleine Unternehmen. Im vergangenen Jahr wollte Kabel Deutschland seinerseits Tele Columbus (zwei Millionen angeschlossene Haushalte in Berlin und Ostdeutschland) übernehmen, doch das Bundeskartellamt untersagte die Transaktion im Februar dieses Jahres.

Für die Situation von Tele Columbus sei es unerheblich, ob nun Liberty oder Vodafone bei Kabel Deutschland das Übernahmerennen gewinne, sagte Verhelst. „In fünf bis zehn Jahren wird es sowieso nur noch einige wenige große Netzbetreiber geben.“ Tele Columbus ist selbst auf der Suche nach einem neuen Investor. „Wir sprechen mit Interessenten“, sagte Verhelst. Der Prozess werde auf jeden Fall noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Dabei stehe das Unternehmen nicht unter Zeitdruck. „Wir sind finanziell gut ausgestattet, so dass wir auch in der Lage sind zu investieren.“

Das Unternehmen sei gestärkt aus dem langen Übernahmeprozess mit Kabel Deutschland hervorgegangen, „weil wir in der Zwischenzeit das operative Geschäft nicht vernachlässigt haben“. Bei den Investitionen stehe Berlin im Fokus. „Hier gibt es noch viel Potenzial, die Stadt mit schnellen Internetanschlüssen zu versorgen.“

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