Wirtschaft : Deutscher Medienmarkt: Filmreife Vita: Leo Kirchs Aufstieg

Ulrike Simon

1956

Leo Kirch, 30, kauft in Rom Filmrechte. Mit 20 000 Mark Kredit und einem Freund als Bürgen. Gründung der Sirius GmbH.

1958

Erster Verkauf eines Kinofilms an die ARD.

1959

Kirch will sich am "Adenauer-Fernsehen" beteiligen, das gerichtlich verboten wird. Kirch gründet die Vertriebsfirma Beta Film, erwirbt das erste Filmpaket in den USA.

1960

Kirch kauft weitere Filmpakete. Abnehmer ist die ARD.

1963

Gründung der Taurus-Film. Verkauf eines Filmpakets an das neu gegründete ZDF.

1976

Berichte in "Spiegel" und "Stern" lösen interne Überprüfungen beim ZDF aus. Es zeigt sich Kirchs Vormachtstellung beim ZDF. Kirch beginnt Umschuldungsverhandlungen. Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn drängt Kirch zum Verkauf.

1984

Start der PKS, der Vorläuferin von Sat 1. Die Kirch-Gruppe stellt dem neuen Sender zwei Jahre lang das gesamte Unterhaltungsprogramm ohne Entgeld zur Verfügung.

1985

Axel Springer gibt zehn Prozent des Aktienkapitals an Leo Kirch und steigt selbst bei Sat 1 ein.

1987

Kirch teilt Springer mit, "über das Stimmverhalten von 26 Prozent" zu verfügen. Springer verweigert die Eintragung der Namensaktien ins Aktionärsbuch. Kirch klagt.

1988

Aufbau eines Sendernetzes. Die Kirch-Gruppe beteiligt sich an Sat 1. Start des Teleclub (Pay-TV) in Deutschland. Poolvertrag Burda/Kirch zur Springer-Übernahme scheitert: Springer kauft den Burda-Anteil zurück.

1989

Streit mit Springer eskaliert. Finanz-Krise. Metro-Gründer Otto Beisheim rettet Kirch, indem er ihm für eine dreistellige Millionensumme einen Teil seines Filmstocks abkauft.

1990

Springer erkennt Kirchs Aktien an. Kirch kauft weitere Anteile, auch sie werden anerkannt. Gemeinsam mit Bertelsmann gründet Kirch (25 Prozent) den Pay-TV-Sender Premiere.

1991

Springer und Kirch kaufen die Sportrechte-Agentur ISPR. Erwerb der Fußball-Bundesligarechte.

1992

Kirch übernimmt die Neue Deutsche Filmgesellschaft, das DEFA Studio und die DEFA-Synchron. Kirch-Anwalt Joachim Theye kommt in den Springer-Aufsichtsrat. Ab November besitzt Kirch offiziell 25 Prozent plus eine Aktie an Springer.

1993

Kirch besitzt jetzt 35 Prozent plus eine Aktie am Springer-Verlag (Kauf eines Aktienpaketes der italienischen Monti). Tele 5 wird in DSF umgewandelt. Kirch beteiligt sich an Telecinco, Spanien (25 Prozent).

1995

Einführung des Dekoders d-box. Kirch beteiligt sich an Silvio Berlusconis Mediaset.

1996

Kirch schließt Lizenzvereinbarungen mit mehreren Major Studios. Gründung der Unternehmensstiftung. Start der Digital-TV-Plattform DF1. Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung (1998 eingestellt).

1997

Die Kirch-Gruppe erwirbt weitere Filmrechte, vereinbart langjährige Lizenzverträge, übernimmt Mehrheit an Sat 1.

1999

Neustrukturierung der Kirch-Gruppe in Kirch-Media, Kirch-Pay-TV und Kirch-Beteiligung. Finanzspritze: Berlusconi, Prinz Waleed und Lehman Brothers erwerben je 3,1 Prozent an Kirch-Media, Capital 3,5 Prozent. Kirch-Gruppe erhöht die Anteile an Premiere auf 95 Prozent. Premiere und DF 1 gehen in Premiere World auf. Rupert Murdoch steigt ein: BSkyB erwirbt 22 Prozent an Kirch-Pay-TV, Kirch-Pay-TV übernimmt im Gegenzug 4,3 Prozent an BSkyB. Kirch klagt gegen Filmstudio auf Schadenersatz.

2000

Die Kirch-Holding wird gegründet. Die Kirch-Gruppe sichert sich Fußball-Bundesligarechte für weitere vier Jahre. Sat 1 und ProSieben Media AG fusionieren - Börsengang. Springer und Kirch-Media beschließen die gegenseitige Option, bei Sat 1 und der ISPR ein-/auszusteigen. Berlusconis Mediaset erwirbt 2,48 Prozent an Kirch-Media. Kirch-Pay-TV verkauft die BSkyB-Anteile. Al Waleed, Capital und Lehman Brothers werden Kirch-Pay-TV-Gesellschafter.

2001

Kirch-Media verkauft Anteile an der Mediaset, wird Aktiengesellschaft, kauft Springer aus Sport 1 heraus. Weitere Filmkäufe. Erwerb der WM-Fußballrechte 2002 und 2006. Kirch-Gruppe erwirbt 49 Prozent an der Speed Investment Ltd. (Formel 1). Murdochs News Corp. erhält 2,48 Prozent an Kirch-Media.

2002

Kirch-Holding wird in Taurus-Holding umbenannt. Kirch-Media soll mit ProSieben Sat 1 fusionieren, der Börsengang im Juni soll Kapital bringen.

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