Wirtschaft : Deutsches Börsenbarometer aber besser als erwartet

Peter Hein

Der Börsenmonat August fing so an wie der Juli aufgehört hatte: mit Zinsängsten. Kaum ein Thema interessierte Händler und Makler mehr als die Frage: "Tut sie es oder tut sie es nicht?" Gemeint war die US-amerikanische Notenbank, die auf ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause am Mittwoch vergangener Woche tatsächlich eine Zinserhöhung um ein viertel Prozentpunkt verkündete. Doch das riss keinen Börsianer mehr vom Hocker. Zum einen, weil der Zinsschritt zu diesem Zeitpunkt als sicher galt und bereits in den Kursen vorweggenommen war. Zum anderen, weil den Anlegern dämmert, dass ein energisches Gegensteuern der Währungshüter die Inflationsgefahren in der boomenden US-Konjunktur in Schach hält - die dem Aktienmarkt langfristig mehr Schaden zufügen würden als vergleichsweise kleine Zinsanpassungen.

Vor diesem Szenario schob sich der Dax in Minischritten nach oben. In der Monatsabrechnung steht am Ende immerhin ein Plus von gut 3,3 Prozent, womit der Index einen Teil des Juli-Verlustes wieder wettmachen konnte. Doch bei rund 5400 Punkten Ende vergangener Woche war das Pulver verschossen. Die Warnung von US-Notenbankchef Greenspan vor einer allgemeinen Überbewertung der Vermögenswerte, schürte wieder die Ängste der Anleger und verpasste den Börsen einen Dämpfer.

Zu den Aktien, die von dem US-Zinsschritt profitierten, gehörte eindeutig die Deutsche Telekom. "Bei einem so schweren Wert, der ja auch zinsreagibel ist, sind die Anleger zunächst zurückhaltend", erklärt Frank Rothauge, vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Als die Zinsentscheidung dann kam, haben sie sich wieder engagiert" - und zwar kräftig. Das Kursplus von rund 10,5 Prozent in nahezu einer Woche versetzte die Gilde der Analysten dann aber doch in Erstaunen.

"Es gibt eigentlich keine neuen Nachrichten", wundert sich Thomas Köbel, Telekom-Spezialist bei der BFG-Bank. Bei den jüngst vorgelegten endgültigen Halbjahresergebnissen wechselten Licht und Schatten. "Operativ gesehen, waren die Zahlen schwächer als ich erwartet habe", sagt Rothauge. Irritiert ist der Analyst zudem über die Neuerwerbung One-2-One. Zwar treibt Telekomchef Ron Sommer mit dem Anfang August über die Bühne gegangenen Erwerb des britischen Mobilfunktbetreibers seine Internationalisierungstrategie weiter voran. Aber für die Nummer Vier auf der Insel musste er den stolzen Preis über 20 Mrd. DM auf den Tisch legen. Für ein Unternehmen, das wahrscheinlich erst vom Jahr 2009 an seine Startverluste aufgeholt hat, ein stolzer Preis.

Die Phantasie der Börsianer regte indes die möglichen Börsengänge der Töchter T-Mobil und T-Online an, die den "wahren" Wert dieser Beteiligungen ans Licht bringen sollen. Das würde logischerweise auch auf den Kurs des Telekom-Papiers durchschlagen. Besser als erwartet läuft auch der Verkauf der Kabelnetze. Ursprüngliche Schätzungen waren von zehn Mrd. DM Verkaufserlös ausgegangen. Mittlerweile scheint auch das Doppelte möglich.

Bei den anderen Sonderbewegungen des August war vor allem Fusionsphantasie im Spiel. Die Gerüchte, dass die Deutsche Bank und die Dresdner Bank kurz vor einer Ehe stehen, wollen nicht verstummen und die Commerzbank wird seit jeher als Übernahmekandidat gehandelt. Dagegen nimmt die mögliche Verschmelzung der beiden Energiekonzerne Veba und Viag bereits Gestalt an. Anders als Veba profitierte Viag davon schon im Vorfeld und legte rund 8,6 Prozent zu. Mit handfesten Nachrichten überraschte dagegen Schering die Börse. Umsatz und Ertrag im ersten Halbjahr 1999 lagen deutlich über den Erwartungen von Analysten und Börsianern. Das wurde mit einem Plus von 7,5 Prozent belohnt. Dagegen zeigt das Beispiel Linde, wie nah Erfolg und Misserfolg an der Börse zusammenliegen. Noch im Juli führte die Maschinenbauaktie das Indexfeld an. Im August folgte der jähe Absturz mit einem Minus von 12 Prozent.

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