Wirtschaft : Deutsches Geld zieht es ins Ausland

Bundesbank-Analyse zu grenzüberschreitenden Kapitalverflechtungen

Frankfurt (Main)(dpa/rtr).Im internationalen Wettbewerb um Investitionen und neue Arbeitsplätze ist Deutschland nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank zurückgefallen."Der Wirtschaftsstandort Deutschland hat offensichtlich im Vergleich zu anderen Ländern an Attraktivität eingebüßt", schreiben die Volkswirte der Bundesbank in ihrem Mai-Bericht.Eine gute Note innerhalb Europas attestiert das Haus Tietmeyer dagegen Großbritannien mit niedrigeren Löhnen, kürzeren Kündigungsfristen und weniger Urlaub.Wegen einer ganzen Reihe von Standortnachteilen hätten sich ausländische Investoren in den letzten Jahren in Deutschland eher zurückgehalten, schreibt die Bundesbank. Grundlage der schlechten Noten für den deutschen Standort ist eine Analyse der Kapitalverflechtungen zwischen In- und Ausland in den Jahren 1994 und 1995.Neben einer Vielzahl struktureller Hemmnisse und einer hohen Abgabenbelastung im Berichtszeitraum zählen die Bundesbank-Volkswirte vor allem einen "übermäßigen Anstieg" der Lohnkosten und die - inzwischen allerdings wieder korrigierte - kräftige Aufwertung der D-Mark zu den Standortnachteilen."Firmenübernahmen und Umstrukturierungen gestalten sich in Deutschland zudem schwieriger als im Ausland." Nach Feststellung der Bundesbank haben zwar sowohl das deutsche Unternehmensvermögen im Ausland als auch der ausländische Beteiligungsbesitz in Deutschland deutlich zugelegt.Bei den deutschen Auslandsengagements stellen die Notenbank-Volkswirte aber eine ungleich größere Dynamik fest.So wurden für den Erwerb von Beteiligungen 1994 und 1995 "Nettokapitalzahlungen in zuvor nie dagewesener Höhe von 70 Mrd.DM erbracht".Der entsprechende Wert für ausländische Beteiligungen im Inland wird nur mit 17,5 Mrd.DM beziffert. Unter dem Strich legte das deutsche Unternehmensvermögen im Ausland, zu dem neben direkten Anteilen an Unternehmen auch konzernintern gewährte Kredite zählen, von Ende 1993 bis Ende 1995 um 53 Mrd.auf 362 Mrd.DM zu.Dieser Zuwachs werde zudem durch die damalige Schwäche wichtiger Währungen "erheblich unterzeichnet".Für das ausländische Unternehmensvermögen in Deutschland errechnet die Bundesbank im Berichtszeitraum einen Zuwachs um 47 Mrd.auf 271 Mrd.DM.Mehr als 70 Prozent aller neuen deutschen Auslandsinvestitionen flossen in die EU-Länder, auf die damit Ende 1995 mehr als die Hälfte der deutschen Auslandsengagements entfielen.Wichtigstes Zielland war Großbritannien vor Frankreich und Belgien.Großbritannien habe früher als andere Deregulierungsmaßnahmen ergriffen und Staatsbetriebe privatisiert, heißt es. Flexiblere Arbeitszeiten, kurze Kündigungsfristen und weniger Urlaubstage wirkten sich ebenfalls günstig aus.

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